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Oberdeutscher Meister Ende des XVI. Jahrhunderts.

Männliches Bildniss. 1906. (1901.) O 3.

Halbfigur nach links auf braunem Grunde. Der gelehrte Herr trägt eine schwarze Kappe und einen schwarzen Pelzrock. Er sitzt auf einem Lehnsessel an einem Tische auf dem seine Hände ruhen. In der Rechten hält er eine der vor ihm liegenden alten Münzen; weiter zurück liegen Bücher.

Leinwand; h. 0,74; br. 0,58. – Herkunft unbekannt. Das Bild scheint uns ungefähr der Richtung des Nic. Neufchatel, eines Niederländers, der seit 1561 in Nürnberg thätig war, anzugehören.


D. Die sächsische Schule.

Lukas Kranach d. ä.

Sein Familienname war Lukas Müller (nicht Sunder; vergl. F. Warnecke. Lucas Cranach, Görlitz 1880, S. 11); Kranach wurde er nach seinem Geburtsorte genannt. Geb. zu Kronach in Oberfranken 1472; gest. zu Weimar den 16. October 1553. Entwickelt unter dem Einflusse der fränkischen Schule. Zu Wittenberg, wo er schon 1504 als kurfürstlicher Hofmaler ansässig war, der Begründer und das Haupt der sächsischen Schule. 1537 wurde er zum ersten, 1540 zum zweiten Male Bürgermeister von Wittenberg; doch folgte er seinem Herrn, Johann Friedrich dem Grossmütigen, 1550 in die Gefangenschaft nach Augsburg und 1552 nach Weimar.

Lukas Kranach hatte in Wittenberg eine von zahlreichen Schülern und Gesellen besuchte Werkstatt gegründet, welche Bestellungen der verschiedensten Art annahm. Mit dem Monogramm des Meisters, dem geflügelten Schlänglein, wurden auch die besseren Werkstattsarbeiten bezeichnet, selbst noch nach seinem Tode unter der Leitung seines Sohnes. Ein mit dem Monogramme bezeichnetes Bild kann daher vom alten oder vom jungen Lukas Kranach selbst, es kann aber auch nur aus ihrer Werkstatt herrühren. Die Entscheidung hierüber kann manchmal durch Urkunden oder durch die Datirung, in der Regel aber nur aus stilkritischen Gründen erfolgen. Die Sonderung hat in umfassender Weise zuerst Chr. Schuchardt in seinem „Lucas Cranach d. ä.“, Leipzig 1851–1871 versucht. Neuerdings hat Herr Dr. L. Scheibler in Berlin sich am eingehendsten mit der Frage beschäftigt. Die Notizen, welche er uns über die Dresdener Kranach-Bilder gegeben, sind im folgenden daher sorgfältigst benutzt und mit des Verfassers eigenen Beobachtungen verglichen worden.

Empfohlene Zitierweise:
Karl Woermann: Katalog der Königlichen Gemäldegalerie zu Dresden (1887). Generaldirection der Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, Dresden 1887, Seite 604. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Karl_Woermann_Katalog_der_Gem%C3%A4ldegalerie_Dresden_1887.pdf/636&oldid=- (Version vom 1.8.2018)