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Die Stadt im Thale. 874. (986.) 48 c.

Rechts das schroffe Gebirge, von dem sich, an Häusern unter Bäumen vorbei, die Landstrasse in’s Thal hinabwindet. Vorn sitzen zwei Landleute; vor ihnen halten zwei Reiter und liegt ein Hund. Links Blick in das tiefe, breite, vom Flusse durchströmte Thal, in dem eine grosse Stadt liegt.

Eichenholz; h. 0,83; br. 1,25. – 1875 von Herrn von La Vierè. – Phot. Braun XIV, 20.

Winterlandschaft. 875. (819.) 19 c.

Durch kahle Bäume führt eine beschneite Landstrasse, auf der rechts Schweine getrieben werden, links ein Pferd vor seinem Karren gestürzt ist. Im Mittelgrunde links Dorfhäuser, rechts die Kirche.

Eichenholz ; h. 0.48½; br. 0,66. – Nach H. 1708 von Lemmers aus Antwerpen. – Sicher Inv. 1754, II 168. Bisher als Jan Brueghel d. ä. Doch weist die viel breitere Malweise auf die Hand Momper’s hin. Man vergl. z. B. dessen Winterbild im Braunschweiger Museum. Die Figuren mögen von Brueghel herrühren.

Peter Brueghel d. j.

P. Brueghel oder Breughel d. j. Genannt „Höllen-Breughel“, B. „d’Enfer.“ Geb. zu Brüssel 1564, gest. zu Antwerpen 1638. Sohn und Nachahmer Peter Brueghel’s d. ä., übrigens Schüler des Gillis van Coninxloo. Thätig in Antwerpen.

Den Namen Höllen-Breughel trägt dieser Meister ohne sonderlichen Grund, da, abgesehen von dem „Triumph des Todes“ in Graz (Madrid, Gal. Liechtenstein in Wien), keine Höllenbilder seiner Hand bekannt sind, vielmehr derartige Darstellungen seines jüngeren Bruders Jan ihm vielfach mit Unrecht zugeschrieben werden: so früher auch die Dresdener Bilder N. 877, 878, welche deutlich die Hand Jan’s zeigen. Er selbst scheint sich ausschliesslich auf die Nachahmung seines Vaters verlegt zuhaben. Vergl. Woltm. u. Woerm. III, S. 66–68. Desgleichen Berliner Verzeichniss (1883) , S. 69.

Die Predigt Johannes des Täufers. 876. (798.) P 1.

Vorn im Walde lauscht buntes Volk der Predigt des Täufers, welcher im Mittelgrunde steht. Die vorderen Zuhörer zeigen sich meist von hinten. In der Mitte blickt sich einer, der in eine Decke gehüllt ist, nach seinem Hunde um. Etwas weiter rechts steht ein schlanker, gelb gekleideter Soldat mit den Händen auf dem Rücken.

Leinwand; h. 1,10½; br. 1,64½. – 1738 durch Rossi aus Venedig. – Das Bild, welches in der Regel auf P. Brueghel d. ä. zurückgeführt wird, existirt in verschiedenen Wiederholungen, z. B. in der Pinakothek zu München, in der Galerie Liechtenstein zu Wien, in Schleissheim und in Gotha. Die beiden datirten Exemplare, das Münchener von 1598 und das Wiener von 1620, beweisen schon durch diese Jahreszahlen, dass sie nicht von dem älteren P. Breughel herrühren (das Münchener gilt dort jetzt als eine Copie von Jan Br.). Unser undatirtes Exemplar zeigt im Ganzen

Empfohlene Zitierweise:
Karl Woermann: Katalog der Königlichen Gemäldegalerie zu Dresden (1887). Generaldirection der Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, Dresden 1887, Seite 291. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Karl_Woermann_Katalog_der_Gem%C3%A4ldegalerie_Dresden_1887.pdf/323&oldid=- (Version vom 1.8.2018)