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Leinwand; h. 2,24; br. 2,91. – 1744 durch den Secretär Talon als „Femme blessé à la Chasse“ und als „bon original de Corregge“ (!) in Madrid erworben. Die Dresdener Inventare (Guarienti N. 200) bezeichneten es jedoch mit Recht sofort als Werk Guercino’s. Beglaubigt als solches ist es auch durch Malvasia (II, p. 375): gemalt 1647 für den Grafen Alfonso di Novellara; „Silvio quando feri Dorinda nel fianco, con Linco pastore.“ – Gestochen von C. F. T. Uhlemann ☼ III. 18.

Loth mit seinen Töchtern. 368. (581.) 34 c.

Loth sitzt, nach links gewandt, auf einem Steine. Eine seiner Töchter steht hinter ihm und schenkt ihm aus einem Kruge Wein in die Schale, die er ihr mit der Rechten hinhält. Die andere sitzt links neben ihm und hält in der erhobenen Rechten einen frischen Weinkrug bereit. In der Mitte des Hintergrundes die brennende Stadt, davor Loth’s Gattin als Salzsäule.

Leinwand; h. 1,76; br. 2,25. – 1744 durch Le Leu und Rigaud aus der Sammlung Polignac zu Paris. Vorher befand es sich in Rom. Es muss von den drei Darstellungen dieses Gegenstandes, die im Verzeichniss der Werke Guercino’s vorkommen, die dritte. 1651 gemalte, sein, welche nach Malvasia (II. p. 379) nach Rom verkauft wurde. (Charakteristisches Bild der letzten Malweise des Meisters. – Phot. Ges.

Die Malerei und die Zeichnung. 369. (597.) F 1.

Da es auf italienisch „la pittura“, aber „il disegno“ heisst, so ist die erstere als buntgekleidete junge Frau, die letztere als Mann dargestellt. Die Malerei sitzt rechts an ihrer Staffelei, den Pinsel in der Rechten, die Palette in der Linken, und malt einen schlummernden Amor. Die Zeichnung, nach welcher sie sich umwendet, hält der bärtige Mann, der links am grünen Tische sitzt.

Leinwand; h. 2,31; br. 1,81. – 1742 durch de Brais aus Paris. Damals trug das Bild den Namen Guercino’s. Erst in Dresden taufte man es auf den Namen seines Schülers Benedetto Gennari’s d. j. (1633–1715). Diesen Namen führt das Bild schon im Inv. 1754, I 260 und noch bei H.; im Katalog von 1812 jedoch vorübergehend wieder den des Guercino. – Die Gründe, welche uns veranlassen, es diesem Meister zurückzugeben, sind – ausser jener ältesten Ueberlieferung – die folgenden: 1. Die Malweise des Bildes entspricht derjenigen der übrigen späten Bilder Guercino’s, welcher gegen Ende seines Lebens härter, kälter und bunter wurde, keineswegs aber derjenigen B. Gennari’s d. j., dessen Stil, wie auch seine Biographen berichten, sich mehr der nordischen Malweise (er hatte lange in Paris und London gelebt) näherte. 2. Von H. Gennari wird zwar erzählt, dass er später in Bologna eine „Pittura“ gemalt habe, aber die Beschreibung dieses Bildes (Zanotti I, p. 176) stimmt keineswegs mit dem unseren überein. Dagegen wird in dem Verzeichniss der Gemälde Guercino’s (Malvasia II. p. 380) unter dem Jahre 1656 ausdrücklich des Bildes „La Pittura e il Disegno“ gedacht. Ein Bild Guercino’s im Madrider Museum, welches zwei ähnliche Gestalten in Halbfiguren als Breitbild darstellt, passt weniger auf diese Benennung, als das unsere, da der Mann dort nicht deutlich als „Disegno“ charakterisirt ist.

Empfohlene Zitierweise:
Karl Woermann: Katalog der Königlichen Gemäldegalerie zu Dresden (1887). Generaldirection der Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, Dresden 1887, Seite 148. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Karl_Woermann_Katalog_der_Gem%C3%A4ldegalerie_Dresden_1887.pdf/180&oldid=- (Version vom 12.5.2018)