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selbst zur florentinischen, als Schulhaupt und Stifter jedoch zur mailändischen Schule des XVI. Jahrhunderts.

Die Tochter der Herodias. 292. (40.) 3 a.

Halbfigur. Sie steht in grünem Kleide mit roten Aermeln und feinem Perlenschmuck vor rotem Vorhange und hält mit beiden Händen auf zinnerner Schüssel das Haupt des Täufers. Ihre goldnen Locken fallen wohl verteilt und feingeringelt auf ihre Schultern herab.

Ital. Pappelholz; h. 1,03½; br. 0,62. – 1749 aus der K. Galerie zu Prag. – Damals galt es als Original Leonardo’s, für den es jedoch nicht fest und fein genug ist. In den Dresdener Katalogen stets nur als Schulbild. Es ist ein Bild von charakteristisch mailändischem Gepräge.[WS 1]Gestochen von C. R. Petzsch ☼ III. 46. Phot. Braun X. 6 und Phot. Ges.

Angeblich Gaudenzio Ferrari.

Geb. um 1481 zu Valdeggia, gest. zu Mailand zwischen 1545 und 1547. Zeichnete, da seine Mutter der Familie Vincio angehröte, auch wohl Gaudentius Vincius. In der Schule von Vercelli gebildet, unter dem Einflusse Leonardo’s und Raphael’s weiterentwickelt. Thätig in oberitalienischen Städten, besonders zu Varallo, zuletzt in Mailand.

Heilige Familie. 293. (167.) 3 a.

Kniestück. Vor grünem Vorhange sitzt Maria. In ihrem rechten Arm hält sie den Jesusknaben und reicht ihm ihre rechte Brust, welche sie leise mit zwei Fingern drückt. Rechts Joseph, auf seinen Stab gelehnt.

Ital. Pappelholz; h. 0,62; br. 0,47. – 1875 aus dem römischen Kunsthandel. – Die Echtheit des Bildes bezweifelt z. B. von O. Eisenmann (Kunst-Chronik XVI, S. 653), der nur eine verkümmerte Richtung Gaudenzio’s in ihm erkennt. Bei dem wechselnden Stile des Meisters und der Ungleichheit seiner Leistungen erscheint es uns nicht völlig ausgeschlossen, dass das Bild von ihm selbst herrühre. – Phot. Ges.

I. Unbestimmte oberitalienische Schulen des XVI. Jahrhunderts.

Unbestimmter Oberitaliener. Anfang des XVI. Jahrhunderts.

Galatea. 294. (37.) 32 a.

Von durchsichtigen Schleiern umwallt, steht die Nereide, auch „Venus marina“ genannt, auf dem geschuppten Delphin, den sie mit der Linken an straffem Zügel durch die

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Ergänzung siehe Berichtigungen und Zusätze: Seite 126–127. Das Bild N. 292 (40) gehörte nach Schmarsow’s Aufsatz in „Vom Fels zum Meer“ 1887 Seite 885–895 nicht der mailändischen, nicht der Schule Leonardo da Vinci’s, sondern der ferraresischen Schule an, stellte die Lucrezia Borgia dar und wäre ein Original von der Hand Dosso Dossi’s, nach Massgabe von dessen grossem Altarwerke aus S. Andrea in der Pinakothek zu Ferrara. Der Verfasser dieses Katalogs, welcher das Bild der mailändischen Schule nicht zugewiesen, sondern gelassen hat, war bisher von der Richtigkeit dieser Zuweisung überzeugt und kann sich bis jetzt die Ansicht Schmarsow’s auch noch nicht aneignen, da ihm weder die Modellirung noch auch gerade dieses Helldunkel und diese Färbung Dossisch zu sein scheinen; doch giebt er nach nochmaliger Prüfung zu, dass Zweifel an dem mailändischen Ursprung des Bildes möglich sind und behält sich eine erneute Untersuchung der Frage vor.
Empfohlene Zitierweise:
Karl Woermann: Katalog der Königlichen Gemäldegalerie zu Dresden (1887). Generaldirection der Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, Dresden 1887, Seite 127. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Karl_Woermann_Katalog_der_Gem%C3%A4ldegalerie_Dresden_1887.pdf/159&oldid=- (Version vom 1.8.2018)