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erhobenen Rechten hält, senkrecht so schnell hinabrollt, dass sein blondes Haupthaar in die Höhe weht. Dieser Jüngling stellt die Gelegenheit vor. Er ergreift die Gelegenheit, welche die Geduld verschmäht.

Leinwand; h. 2,11; br. 1,10. – 1746 aus der herzogl. Galerie zu Modena. Seit dem Inv. Guarienti (vor 1753), N. 85, als Werk Girolomo Mazzuoli’s. – Indessen hat Venturl (p. 23–25) urkundlich nachgewiesen, dass Girolamo da Carpi dieses Bild unter dem Namen der „Gelegenheit und Geduld“ 1541 am herzoglichen Hofe von Ferrara gemalt hat; und wir sehen keinen Grund, mit Venturi zu bezweifeln, dass Vasari eben dieses Bild im Sinne gehabt, als er schrieb (VII, p. 476), Girolamo da Carpi habe im herzoglichen Palaste ein grosses Gemälde gemalt, „con una figura quanto il vivo, finta per una Occasione, con bella vivezza, movenza, grazia e buon rilievo“. Vergl. auch des Verfassers Text zu Braun’s Galeriewerk S. 137–138. – Eine Copie des Bildes wurde in der Galerie von Modena zurückbehalten. – Phot. Braun IV, 5.

Venus von Schwänen gezogen. 143. (178.) E 2.

In weiter, rechts vorn von hohen Bäumen begrenzter Landschaft fährt Venus in einer von Schwänen gezogenen Muschel nach rechts über den See. Sie wendet sich, einen Pfeil in der Rechten erhebend, nach Amor um, der mit einer Fackel auf dem Rande der Muschel steht. Links im Wasser und am Ufer ergehn sich drei Nymphen.

Leinwand; h. 1,43; br. 2,67. – 1746 aus der herz. Galerie zu Modena. Schon damals dort Girolamo da Carpi zugeschrieben (Venturi, p. 358), obgleich es 1618 als Werk Dosso’s von Ferrara nach Modena geschickt worden war (Venturi. p. 39). Nach Lerm. S. 137 gehört es zu den Bildern, die von Dosso erfunden, aber von Girolamo da Carpi u. a. ausgeführt wurden.

Judith. 144. (152.) 3 b.

Kniestück. In hellem Gewande, von dunkelblaugrünem Mantel umflattert, sitzt Judith lebensgross im Vordergrunde. In der gesenkten Linken hält sie das Haupt des Holofernes. Mit der rechten Hand weist sie, an ihrer Brust vorüber zurückdeutend, auf das Zeltlager im Mittelgrunde.

Leinwand; h. 1,34½; br. 1,07½. – 1740 aus der herz. Galerie zu Modena. – Damals ganz irriger Weise dem Parmeggianino zugesehrieben. Bei H. als Dosso Dossi. Nach Lerm. S. 138–139 wohl in der That von Dosso entworfen, jedoch von Girolamo da Carpi ausgeführt. Diesem Meister, für den auch wir uns entscheiden, schreibt in der That bereits ein altes Modeneser Inventar vom Anfang des XVIII. Jahrhunderts (Venturi. p. 313). das Bild zu. – Phot. Braun XII, 2.

Zeus’ Adler mit Ganymed. 145. (182.) B 2.

Mit ausgebreiteten Fittichen schwebt der Vogel des höchsten Gottes zwischen Wolken in der Luft und packt mit einer Klaue den linken Fuss des jungen Ganymedes, der sich willig am Flügel festhält und ein Gefäss trägt, welches auf sein Amt als Mundschenk des Zeus deutet.

Empfohlene Zitierweise:
Karl Woermann: Katalog der Königlichen Gemäldegalerie zu Dresden (1887). Generaldirection der Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, Dresden 1887, Seite 76. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Karl_Woermann_Katalog_der_Gem%C3%A4ldegalerie_Dresden_1887.pdf/108&oldid=- (Version vom 1.8.2018)