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jetzt schon auf den Sieg gerechnet hatten, desto gewaltiger musste der Zwischenfall ihre Hoffnung auch für die Zukunft dämpfen. Sie hielten es auch nicht mehr der Mühe wert, das Feuer zu bekämpfen, weil selbst nach dem Gelingen der Löschungsversuche die Dämme ja doch ein- für allemal verschwunden blieben.

473 (5.) Zwei Tage später wurden auch die anderen Dämme und zwar durch die Leute des Simon angegriffen, nachdem die Römer an diesem Punkte schon die Widdermaschinen hatten auffahren lassen und damit bereits die Mauer bearbeiteten. 474 Es waren nun ein gewisser Tephthäus von der galiläischen Stadt Garis und ein ehemaliger königlicher Bedienter der Mariamne, namens Megassarus, wie auch ein Adiabener, Sohn des Nabatäus, der, man weiß nicht warum, den Namen Chagiras, d. h. der Krüppel, führte, diese Männer also waren es, welche zuerst, mit Brandfackeln bewaffnet, auf die Maschinen hinausstürzten. 475 Es gab wohl in der ganzen Stadt Jerusalem keinen Mann mehr, der in diesem Kriege durch seine Waghalsigkeit und gefürchtete Tapferkeit jene Männer noch übertroffen hätte. 476 Denn gerade so, als wären es nur liebe Freunde, und nicht vielmehr ein feindlicher Haufe, sprangen sie ohne Furcht und Zögern unaufhaltsam mitten durch den feindlichen Knäuel, um die Maschinen anzuzünden. 477 Von allen Seiten mit Pfeilen überschüttet und mit Schwertklingen zurückgestoßen, wichen sie nicht aus dem blutigen Getümmel, bis die Widder wirklich Feuer gefangen hatten. 478 Schon züngelten die Flammen hoch empor, als erst die anderen Römer aus dem Lager zur Rettung herbeiliefen. Doch die Juden suchten jede Hilfe von der Mauer aus zu vereiteln und rangen sogar, ganz unbekümmert um Tod und Wunden, Leib an Leib mit den Soldaten, die das Feuer löschen wollten. 479 Die Römer versuchten die Widder, über denen die Schutzdecken schon lichterloh brannten, aus dem Feuer herauszureißen, aber die Juden griffen selbst durch die Flammen noch nach ihnen, packten das fast schon glühend heiße Eisen und ließen den Sturmbock nicht los. Da sprang das Feuer auch auf die Dämme selbst über und zwar mit einer Schnelligkeit, dass jede Hilfe umsonst war. 480 Jetzt, da die Römer mitten im Feuer standen, mussten sie allerdings an der Rettung ihrer Werke verzweifeln und zogen sich gegen das Lager zurück. 481 Die Juden, die unterdessen durch Succurs aus der Stadt immer zahlreicher geworden waren, drängten ihnen nach und stürzten, kühn gemacht durch ihren Sieg, wie Rasende vorwärts, bis sie die Lagerwälle erreichten und nun sogar mit den Lagerwachen den Kampf aufnahmen. 482 Es steht nämlich vor dem römischen Lager abwechselnd immer eine Wacheabtheilung unter

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Flavius Josephus: Jüdischer Krieg. Linz: Quirin Haslingers Verlag, 1901, Seite 426. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/426&oldid=- (Version vom 1.8.2018)