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mauer des ganzen Heiligthumes einnahm. 187 Nachdem man den Hügel auf solche Art auf drei Seiten von seinem Fuße an mit Futtermauern gestützt hatte, ein Werk, dessen Vollendung aussichtslos erschien, und über dem nicht bloß ungeheure Zeiträume, sondern auch die gesammten heiligen Schätze hinschwanden, welche der ganze Erdkreis als Gottessteuer nach Jerusalem geschickt hatte, schritt man zum Bau der oberen Umfassungsmauern und zur Einfassung der niedriger gelegenen Fläche des Tempelplatzes. 188 Die Untermauerung betrug an der niedrigsten Stelle des letzteren noch immer 300 Ellen, an anderen Punkten kam sie aus einer noch größeren Tiefe, obschon die ganze Tiefe der Fundierungsmauern auch da nicht zutage treten konnte, weil man die dadurch entstandenen Klüfte zu einer bedeutenden Höhe wieder aufschüttete, damit die Gassen in der Stadt nicht allzu uneben würden. 189 Der Unterbau hatte Quadern von vierzig Ellen Länge, was nur bei dem Umstande begreiflich erscheint, dass die reichen Geldquellen und die edle Begeisterung des Volles ganz unsägliche Anstrengungen ermöglichten, welche das schier aussichtslose Werk mit Ausdauer und Zeit der Verwirklichung entgegenführten.

190 (2.) Auf diesen großartigen Unterbauten standen übrigens auch Bauwerke, die eines solchen Fundamentes würdig waren. Auf allen Seiten erhoben sich mindestens zweifache Säulengänge, die von fünfundzwanzig Ellen hohen Säulenschäften, jeder aus einem einzigen Stück schneeweißen Marmors, gestützt und mit Cederngetäfel eingedeckt waren. 191 Das kostbare Material dieser Hallen, wie auch dessen Politur und das harmonische Gefüge boten ein gar seltenes Schaustück, trotzdem sonst keinerlei Schmuckwerk, wie Malereien etwa oder Sculpturen, als äußere Zuthat die natürliche Schönheit erhöhte. 192 Ihre Breite belief sich auf dreißig Ellen, während der gesammte Umfang mit Einschluss der Antonia sechs Stadien maß. Der ganze freie Raum war mit den verschiedensten Steinarten buntfärbig gepflastert. 193 Durchschritt man nun denselben in der Richtung auf den zweiten Vorhof des Heiligthumes, so traf man auf eine drei Ellen hohe Steinballustrade von ausnehmend feiner Arbeit, die rings herumlief. 194 Hier standen in gleichen Zwischenräumen mehrere Säulen mit griechischen und lateinischen Aufschriften, welche das Reinigungsgesetz kundmachten und jedem Nicht-Juden den Eintritt in das eigentliche Heiligthum, womit der folgende Raum bezeichnet wurde, untersagten. 195 Auf vierzehn Stufen stieg man hierauf von der ersten Fläche zum Heiligthnm hinauf, das sich in der Form eines Viereckes droben erhob und mit einer eigenen Mauer ringsum abgeschlossen war. 196 Die Höhe der letzteren, von der äußeren Tempelfläche aus gerechnet, hätte vierzig Ellen betragen,

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Flavius Josephus: Jüdischer Krieg. Linz: Quirin Haslingers Verlag, 1901, Seite 391. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/391&oldid=- (Version vom 1.8.2018)