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zu untergraben. 64 Die Wachen auf dem Thurme merkten, da es Nacht war, weder etwas von ihrem Nahen, noch auch von ihrer Anwesenheit. So konnten die Soldaten, indem sie bei ihrer Arbeit, jedes größere Geräusch vermieden, fünf der gewaltigsten Steine herauswälzen und eben noch davonspringen. 65 Urplötzlich sank der Thurm unter entsetzlichem Dröhnen zusammen und riss in seinem Falle die Wachen mit sich hinab. Voll Schrecken ergriffen die Wachen auf den übrigen Posten die Flucht. 66 Viele wollten sich durch die Römer durchschlagen, wurden aber niedergemetzelt, worunter auch der genannte Josephus, welcher in dem Augenblicke, wo er über die Trümmer der Mauerbresche ins freie Feld fliehen wollte, von einem Schützen getroffen todt zusammenbrach. 67 In der Stadt, wo das Dröhnen alles erschüttert hatte, herrschte ein furchtbares Durcheinander und Entsetzen, als ob schon alle Feinde in die Stadt eingebrochen wären. 68 Bei dieser Gelegenheit verschied auch Chares, der gerade ans Bett gefesselt und ziemlich leidend war, indem der Schreck wesentlich den tödtlichen Ausgang der Krankheit beschleunigte. 69 Uebrigens marschierten die Römer, welche die frühere Schlappe nur zu wohl in Erinnerung hatten, nicht vor dem 23. des vorerwähnten Monates in die Stadt ein.

70 (10.) Titus, welcher unterdessen eingetroffen, war es, der voll Grimm über die von den Römern während seiner Abwesenheit erlittene Niederlage an der Spitze von 200 auserlesenen Reitern nebst einigem Fußvolk in aller Stille in die Stadt eindrang. 71 Die Wachen merkten seinen Anmarsch, schlugen Lärm und griffen zu den Waffen. Als die Kunde vom Anrücken der Römer sich rasch auch im Innern der Stadt verbreitet hatte, nahmen die einen eilends ihre Kinder und flohen mit ihnen sammt den Frauen, die sie fast hinter sich nachschleppten, unter lautem Schluchzen und Angstgeschrei nach dem Gipfel hinauf; die anderen stürmten Titus entgegen, wurden jedoch reihenweise niedergeschmettert. 72 Jene aber, denen die Flucht nach dem Gipfel nicht mehr möglich war, liefen in ihrer Rathlosigkeit zur Stadt hinaus – den römischen Wachen entgegen. Schauerlich widerhallte überall das Röcheln der zu Tode Getroffenen, und die ganze Stadt war von Blutbächen überschwemmt, welche die steilen Abhänge hinunterrieselten. 73 Beim Sturme auf jene, die nach der Höhe geflohen waren, griff nun auch Vespasian ein und ließ zu diesem Zwecke seine ganze Macht in die Stadt einrücken. 74 Den Gipfel bildete ein massiver, schwer zugänglicher Felsen, der zu einer ungeheuren Höhe emporstarrte. Er war jetzt von der Menschenmenge überall vollgepfropft und zudem ringsum geschützt durch seine steilen Abhänge. 75 Die ersten, die es wagten, hier heraufzusteigen, wurden von den Juden einfach niedergehauen, den andern

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Flavius Josephus: Jüdischer Krieg. Linz: Quirin Haslingers Verlag, 1901, Seite 304. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/304&oldid=- (Version vom 1.8.2018)