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nahme des Oberbefehles über die in Syrien stehenden Truppenkörper ab, nachdem er ihn noch zuvor, um seine Thätigkeit anzuspornen, mit honigsüßen Complimenten, wie sie ihm nur die Noth eingeben konnte, und mit allerlei Freundlichkeiten überhäuft hatte. 8 Vespasian schickte zunächst von Achaja aus, woselbst er bei Nero Audienz gehabt, seinen Sohn Titus nach Alexandrien, um die fünfte und die zehnte Legion nach Syrien zu dirigieren; er selbst setzte über den Hellespont und kam auf dem Landwege nach Syrien, wo er nun die römischen Streitkräfte, wie auch zahlreiche Hilfsvölker von den benachbarten Königen zusammenzog.


Zweites Capitel.
Große Niederlage der Juden bei Askalon. Vespasian empfängt bei Ptolemais die Abgesandten von Sepphoris.

9 (1.) Nach der Niederlage des Cestius war den Juden infolge ihres ungeahnten Waffenglückes der Kamm so geschwollen, dass sie ihrem Ungestüm gar keine Zügel mehr anlegten und die vom Glücke, sozusagen, angeblasene Kriegsfackel immer weiter schleuderten. Es sammelte sich nämlich alsbald der ganze Kern ihrer Krieger, um auf Askalon loszugehen. 10 Es ist das eine alte, von Jerusalem 520 Stadien entfernte Stadt, die den Juden von jeher ein Dorn im Auge gewesen war, weshalb man auch jetzt den ersten Sturm gerade auf sie zu richten beschloss. 11 Den Ueberfall leiteten drei Männer, die sich ebensosehr durch ihre Körperstärke wie Klugheit auszeichneten, nämlich Niger von Peräa, der Babylonier Silas und als dritter im Bunde der Essäer Johannes. 12 Was nun Askalon betrifft, so hatte die Stadt zwar starke Befestigungen, aber sie war von Streitern nahezu entblößt, indem sie nur von einer Cohorte Fußvolk und einem einzigen Reitergeschwader unter den Befehlen des Antonius geschützt wurde.

13 (2.) Da den Juden nach dem Gesagten der Zorn gewaltig die Schritte beflügelte, so waren sie auch mit einer Geschwindigkeit zur Stelle, als wenn sie aus nächster Nähe hervorgebrochen wären. 14 Doch hatte auch Antonius von ihrem unmittelbar bevorstehenden Anmarsche, ehe er noch sein Ziel erreichte, Wind bekommen und seine Reiter gegen sie ausrücken lassen, mit denen er nun, unbekümmert um die Zahl und Verwegenheit der Feinde, ihren ersten Anprall tapfer aufhielt und ihre Vorstöße gegen die Mauer zurückschlug. 15 Da die Juden ohne Kriegserfahrung lauter gewandten Kriegern, mit bloßem Fußvolk der Reiterei, ohne Ordnung einem Feinde in Reih’ und Glied, mit den erstbesten Waffen den Schwerbewaffneten in voller Ausrüstung, mehr

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Flavius Josephus: Jüdischer Krieg. Linz: Quirin Haslingers Verlag, 1901, Seite 238. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/238&oldid=- (Version vom 19.2.2020)