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es auch Wildschweine hegt. 430 Als Krieger war Herodes geradezu unüberwindlich: bekamen doch viele schon bei den friedlichen Leibesübungen vor ihm einen heillosen Respect, wenn sie sahen, wie er schnurgerade den Wurfspieß schleuderte und als Bogenschütze sein Ziel haarscharf traf. Zu seinen geistigen und körperlichen Vorzügen kam auch noch der gute Stern, den er hatte. Denn nur selten hatte er im Kriege Unglück, und auch da war nicht er persönlich schuld an der Schlappe, sondern entweder Verrath von Seite einzelner oder Voreiligkeit von Seite aller seiner Soldaten.


Zweiundzwanzigstes Capitel.
Hinrichtung des Hyrkan, des Jonathas und der Königin Mariamne.

431 (1.) Für seine glückliche Regierung nach außen rächte sich jedoch das neidische Geschick durch die betrübendsten Vorfälle in seiner Familie, und zwar begann der böse Spuk ihn gerade von Seite jener Frau zu quälen, um die er sich zu allermeist bemüht hatte. 432 Wie bekannt, hatte Herodes, einmal zur Herrschaft gelangt, jene Gattin, die er noch als Privatmann heimgeführt hatte, und die von Jerusalem stammte, Doris mit Namen, entlassen und dafür die Mariamne, die Tochter des Alexander, eines Sohnes von Aristobulus, zur Ehe genommen. Letztere Frau wurde nun die Veranlassung, dass sein ganzes Haus in Aufruhr kam, ganz besonders nach seiner Rückkehr aus Rom, obschon die Sache schon länger steckte. 433 Es war nämlich die erste Folge dieser Heirat, dass Herodes seinen Sohn Antipater von der Doris mit Rücksicht auf die Söhne von der Mariamne aus der Hauptstadt verbannte und ihm nur zu den Festzeiten dahin zu kommen erlaubte. Die zweite Folge war die Hinrichtung des Hyrkan, des Großvaters seiner Frau, der aus dem Partherreiche zu Herodes zurückgekehrt war und vom König unter dem Verdachte des Hochverrathes getödtet wurde. Bekanntlich hatte Barzapharnes bei seiner syrischen Expedition den Hyrkan zum Gefangenen gemacht, dann aber hatten die Juden jenseits des Euphrat, gerührt vom Schicksal ihres Stammesgenossen, seine Freilassung erbeten. 434 Hätte er doch jetzt ihren dringenden Vorstellungen, ja nicht an den Hof des Herodes hinüberzureisen, nachgegeben, er hätte kein so tragisches Ende gefunden! So aber sollte ihn gerade die Heirat seiner Enkelin in den Tod locken. Denn im Vertrauen auf diese Verbindung und von der Sehnsucht nach der Heimat übermannt, hatte er sich trotzdem auf den Weg gemacht. Was übrigens den Herodes gegen ihn eigentlich aufgebracht, das war keineswegs ein Versuch von Seite des Hyrkan, sich der Königskrone zu bemächtigen, sondern einzig der Umstand, dass die Krone von Rechtswegen dem Hyrkan zufiel.

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Flavius Josephus: Jüdischer Krieg. Linz: Quirin Haslingers Verlag, 1901, Seite 92. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/092&oldid=- (Version vom 11.2.2020)