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Dante’s Gattin.[1]
(Siehe oben S. 70, Anmerkung 7.)


Beatrix’ Name tönt in allen Zungen,
Dich, arme starke Frau, besingt kein Lied;
Der Trennung Pfeil, der deine Brust durchdrungen,
Schlug eine Wunde, die kein Auge sieht.
Die Kunst bringt ihren Weihrauch nur dem Schönen;
Doch schlichte Tugend muss der Himmel krönen.

Selbst er, für den so Herbes du getragen,
Gab seine Liebe nicht in Worten kund;
Dem Vaterlande galten seine Klagen,
Es schwieg von dir der vielberedte Mund.
Drum traf so ihn, wie dich, der Seichten Tadel,
Verkennend des verschwiegnen Schmerzes Adel.

Die tiefste Wunde duldet kein Berühren,
Sie frisst verzehrend in sich selbst hinein;
Des Wortes Hauch kann ihre Glut nur schüren,
Ein stummer Bettler muss das Elend sein;
Der bangste Schmerz, den keine Worte fassen,
Kann nur gebrochne Laute hören lassen.

Sie wissen nicht: wo alle Fibern beben,
Da sinkt gelähmet auch des Künstlers Hand,
Und wo im tiefsten Wehe zuckt das Leben,
Schliesst auch des Dichters Mund ein ehern Band;
Zum Lied sind stumm die allerherbsten Schmerzen,
Der Angstschrei nur bleibt dem gepressten Herzen.

“Das Liebste selbst wirst du verlassen müssen”,
So scholl der bang gebrochne Klagelaut;
Aus weiter Fern’ ein wehmuthvolles Grüssen
Der treuen Gattin, die ihm angetraut,
Ein Abschiedsblick aus Augen, wo die Thränen
Versiegten in dem ungestillten Sehnen.

Des Pilgers Weh beim Abendglockenläuten
Am Tage, wo er von den Seinen schied:
So bebt Erinnrung in der Seele Saiten,
Der schmerzerstickte Keim zu einem Lied,
Ein Schrei des Wehs, von Seufzern unterbrochen.
Dumpf übertönet von des Herzens Pochen.


Empfohlene Zitierweise:
Jahrbuch der Deutschen Dante-Gesellschaft, Band 2, F. A. Brockhaus, Leipzig 1868, Seite 96. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Jahrbuch_der_Deutschen_Dante-Gesellschaft,_Band_2.djvu/110&oldid=2862984 (Version vom 24.7.2016)
  1. Aus den “Kronen aus Italiens Dichterwalde” (Halle, Barthel, 1868) mit Bewilligung der Dichterin eutnommen.