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und band das Fischnetz um; dann holte es den Esel aus dem Stalle und hing an die eine Seite des Tieres den Korb mit den Tauben, an die andere Seite den Korb mit dem Hasen. Darauf setzte es sich selbst auf den Rücken des Esels und ritt, als die Sonne soeben untergegangen war, im Zwielicht den Schloßberg hinauf; und zwar hielt es den Esel, daß er immer im Wagengeleise bleiben mußte.

Der Graf lag im Fenster, als er Kathrinchen ankommen sah, nicht bei Tage und nicht bei Nacht, sondern im Zwielicht; geritten und doch nicht zu Pferde, sondern auf einem Esel; nicht in dem Wege und nicht außer dem Wege, sondern im Wagengeleis; nicht nackend und nicht angezogen, denn es war in ein Fischnetz gewickelt. Es kränkte ihn nun doch, daß die Besenbinderstochter so leichten Kaufes Frau Gräfin werden sollte, und er befahl seinen Dienern, daß sie die Hofhunde von der Kette ließen. Das waren zwei allmächtig große Köter, die stürzten auf Kathrinchen los, um es samt dem Esel zu zerreißen.

Da rief Kathrinchen: „Herr Graf, hier meine erste Hochzeitsgabe! Seht, sie bleibt nicht!“

Damit that es den Deckelkorb auf, in dem der Hase saß, und – hast du nicht gesehen – sprang er auf und davon. Sobald die Hunde den Hasen erblickten, ließen sie ab von Kathrinchen und dem Esel und jagten dem Hasen nach und kamen vor dunkler Nacht nicht wieder und hatten ihn doch nicht erwischt.

Kathrinchen aber stieg von dem Esel und ging mit dem andern Korbe in des Grafen Stube, that den Deckel

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Ulrich Jahn: Schwänke und Schnurren aus Bauern Mund. Mayer & Müller, Berlin 1890, Seite 81. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Jahn_Schwaenke_und_Schnurren_aus_Bauernmund.djvu/81&oldid=- (Version vom 1.8.2018)