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Die Lebensalter.

Als Gott, der Herr, die Welt geschaffen hatte, setzte er dem Menschen und dem Esel dreißig, dem Hund und dem Affen aber einem jeden zwanzig Jahre; darin sollten sie sich des Lebens freuen.

Es dauerte gar nicht lange, so kam der Mensch und wollte eine längere Frist haben. Indem er noch bat, trat der Esel vor Gottes Thron und sagte:

„Nimm mir zwanzig Jahre ab von meinem Leben, lieber Herr; die Last wird mir bei der vielen Arbeit und dem geringen Futter zu schwer!“

„Nimm sie ihm und gieb die zwanzig Jahre mir!“ rief der Mensch, und unser Herrgott willfahrte den beiden.

Nach dem Esel stellt sich auch der Hund ein und klagte:

„Sieh an, Herr, meinen schlechten Dienst und die magere Kost, welche ich bekomme; und dabei muß ich in Schnee und Regen dem Menschen das Seine bewachen. Nimm mir ab die Hälfte meines Lebens! Wenn ich zehn Jahre lebe, so lebe ich lange genug.“

„Gieb sie mir!“ bat der Mensch, und der Herrgott

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Ulrich Jahn: Schwänke und Schnurren aus Bauern Mund. Mayer & Müller, Berlin 1890, Seite 42. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Jahn_Schwaenke_und_Schnurren_aus_Bauernmund.djvu/42&oldid=- (Version vom 1.8.2018)