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Zähnen,“ erwiderte Näschen, „darum kann es nicht sprechen.“

Da zog Hans dem Edelfräulein die Semmel zwischen den Zähnen hervor, und sogleich redete der Mund und sprach:

„Dreimal der Herr Rechnungsführer!“

Somit war auch das Edelfräulein überführt; der Hofjäger wurde freigesprochen, und der Kaufmann, der Amtmann und der Edelmann mußten mit Schimpf und Schande mit ihren Töchtern nach Hause ziehen.

Als der König von dem Gericht nach Hause kam, erzählte er seiner Frau die ganze Geschichte, und dann lachte er, wie er seit lange nicht gelacht hatte. Die Königin freute sich auch; mit einem Male aber kam ihr ein Gedanke, und sie sprach:

„Was meinst du, Männchen, könntest du dir nicht einmal von dem Hofjäger den Stock geben lassen, damit wir sehen, wie es mit unserer Tochter, der Prinzessin, steht?“

„Ja, das werde ich thun,“ antwortete der König; und als ihm der Hofjäger den Stock übergeben hatte, ging er am Abend ganz leise, leise mit der Königin auf Strümpfen in die Schlafkammer der Prinzessin hinein. Sie schlief auch schon ganz fest, und so zog denn der König den Stock hervor, schlug damit auf ihr kleines, rotes Mäulchen und fragte:

„Wie oft hat dich ein fremder Mann schon geküßt?“

„Das hat noch niemand gethan,“ antwortete das kleine, rote Mäulchen, „aber wenn ich einen küssen dürfte, so wäre es Hans, unser Hofjäger.“

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Ulrich Jahn: Schwänke und Schnurren aus Bauern Mund. Mayer & Müller, Berlin 1890, Seite 31. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Jahn_Schwaenke_und_Schnurren_aus_Bauernmund.djvu/31&oldid=- (Version vom 1.8.2018)