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„Auch einen Thaler sollst du bekommen!“ fuhr er fort. „Zwei hab’ ich, und ich bin gesund und stark und werde mir wieder etwas verdienen können.“

Das Männchen bedankte sich schön und ging seiner Wege.

Gegen Abend trat es wieder auf den Jungen zu, als er sein Abendbrot verzehrte.

„Guten Abend, Hans,“ sagte es, „ich bin so hungrig, gieb mir etwas zu essen!“

Hans dachte, es sei ein anderes Graumännlein und sprach zu ihm: „Das meiste habe ich zwar schon fortgegeben; aber es wird doch noch für uns beide reichen. Hier hast du einen halben Aschenback und einen halben Thaler, und das ist genau die Hälfte.“

„Hab Dank, lieber Hans!“ sprach das Graumännchen und steckte seinen Teil zu sich und ging davon.

Hans aber kletterte auf einen Baum, band sich dort fest, daß ihn die wilden Tiere nicht fräßen, und schlief ein. Am andern Morgen ging er erst ein Stündchen, dann holte er das Stückchen Aschenback, das ihm noch geblieben war, aus der Tasche hervor und wollte gerade abbeißen, als wiederum das Graumännchen erschien und zu ihm sagte:

„Guten Morgen, Hans, ich sterbe vor Hunger, gieb mir ab von deiner Speise!“

„Mein liebes Graumännchen,“ entgegnete Hans, „viel wird’s ihm nicht helfen, denn ich habe nur noch dies Stückchen Aschenback; aber die Hälfte von dem, was ich habe, sollst du bekommen.“

Damit brach er das Stückchen Aschenback in zwei

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Ulrich Jahn: Schwänke und Schnurren aus Bauern Mund. Mayer & Müller, Berlin 1890, Seite 22. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Jahn_Schwaenke_und_Schnurren_aus_Bauernmund.djvu/22&oldid=- (Version vom 1.8.2018)