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oder dreizehnten Jahre. Den schickte er zum Schulzen und ließ ihn um eine Metze bitten.

Der Schulze gab sie ihm auch; aber es kam ihm verwunderlich vor, daß der Kuhhirt etwas zu messen hätte, und er schlich dem Jungen nach und guckte durch das Klinkenloch, wo das Klinkenband durchgeht, in die Stube hinein. Da sah er wie der Kuhhirt Geld maß, und er riß die Thüre auf und fragte:

„Woher hast du das viele Geld? Das ist nicht mit rechten Dingen zugegangen!“

„Ei, warum nicht?“ sagte der Kuhhirt. „Du weißt doch, daß ich die eine Kuh geschlachtet habe. Die Haut brachte ich gestern auf den Markt und habe dafür dreihundert Thaler bekommen.“

„Ist’s die Möglichkeit!“ rief der Schulze verwundert und machte, daß er nach Hause kam; dann schickte er den Stock herum, daß er den Bauern die Zeitung überbrächte.

„Gevatter, was giebt’s?“ fragten sie neugierig.

Da erzählte ihnen der Schulze alles, wie er es bei dem Kuhhirten getroffen hatte, und daß demselben für eine einzige Haut in der Stadt dreihundert Thaler gezahlt worden seien.

„Ist’s die Möglichkeit!“ riefen da auch die Bauern. „Das heißt ein Geschäft!“

Dann liefen sie geschwind ein jeder in sein Haus und schlugen alle Kühe tot, zogen sie ab und luden die Häute auf den Wagen und fuhren im langen Zuge in die Stadt hinein.

„Häute, Häute, kauft Häute!“ riefen sie.

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Ulrich Jahn: Schwänke und Schnurren aus Bauern Mund. Mayer & Müller, Berlin 1890, Seite 131. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Jahn_Schwaenke_und_Schnurren_aus_Bauernmund.djvu/131&oldid=- (Version vom 1.8.2018)