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Der Junge mir gegenüber steckte den Serviettenring in den Senftopf und einen Finger tief in die Nase. Er mopste sich grenzenlos.

„Der Bub langweilt sich,“ klagte die Mutter, „sonst ist er aber auch brav.“

Man brachte das Geflügel. Natürlich kam jetzt die Schüssel wieder zuletzt zu mir. Zwei Ellenbogenstücke und ein Bürzel lagen noch auf der Platte. Ich war zu schüchtern, der Servierfrau etwas zu sagen. Böllerknuz hatte mir die letzten beiden ansehnlichen Stücke vor der Nase weggenommen. Er arbeitete an einem Rumpfstück. Er war wütend, da er merkte, daß er hereingefallen war. Es war nur Knochen. Erregt stach er auf das Stück ein. Er glitschte aus und der reichlich mit Sauce befeuchtete Rumpf einer guten Ente flog mir in den Schoß. Nicht genug damit, warf Böllerknüz im Eifer, das Stück Vogel zu schnappen, mein gefülltes Rotweinglas um, so daß meine Hose auch hiervon einen guten Genuß mit bekam.

Ich grinste und meinte taktvoll: „O, das tut nichts!“

Ein brauner, häßlicher Fleck als Insel in einem großen Rotweinmeer auf meiner feinen, weißen Hose.

Der Junge mir gegenüber lachte aus vollem Hals und schrie: „Ho, der komische Onkel.“

„Das sagt man nicht,“ verwies ihn die Mutter.

„Der Bub ist vorlaut,“ ergänzte der Vater.

„Ist mich mal in Luzern im Schweizerhof passiert. Ein Kleid von achthundert Mark vollständig verdorben,“ sagte die Kölnerin.

Ich beteuerte fortgesetzt, daß das gar nichts mache. Man konnte fast meinen, es hätte mir nichts Erwünschteres passieren können.

Der Junge langweilte sich schon wieder. Er packte

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Hermann Harry Schmitz: Der Säugling und andere Tragikomödien. Ernst Rowohlt Verlag, Leipzig 1911, Seite 210. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Hermann_Harry_Schmitz_Der_Saeugling.djvu/210&oldid=- (Version vom 1.8.2018)