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Färdäh, Färdäh!“ vernahm der horchende, staunende Bürger aus Anatols Munde.

Als nun noch der Leutnant im Laufe des Gesprächs seinen Arm in den Anatols schob, wurde es zu viel für Anatol. Sein Kopf schwoll an zur Größe eines Sofapuffs. Ein Ohr sprang ab. Er barst. –

Die Bürger fanden es begreiflich. Es war ein erhabener Tod –

Ein ehrfurchtsvolles Schauern und Raunen durchlief die Promenade, wenn „die Partie“, Uhda Kammillenbritsch, die Tochter des Kommerzienrates, mit hocherhobener Nase und läppischem Geschwenk daherkam. Die Mitgifthyänen schnupperten und reckten die Hälse –

„Wie die das anstellen? Jeden Augenblick einen neuen Hut, jetzt wieder ein neues Jackettkleid. Ich kann das nicht,“ meinte Frau Apotheker Meta Schnurze und schaute haßerfüllt Frau Krammelhust und Tochter nach. „Ich kann das nicht, weiß Gott!“

„Jetzt kommt der junge Doktor Löschkarton schon zum zweitenmal mit Tilly Scherzhaft auf die Promenade. Sind die denn verlobt? Arm in Arm gehen sie nicht. Ich weiß nicht, ich würde es nicht dulden, wenn es mein Kind wäre,“ erregte sich Frau Bullerwurst.

„Der Leutnant hat Absichten auf Uhda Kammillenbritsch,“ zitterten die heiratsfähigen Bürgersöhne, wenn der Leutnant beim Gruß die Hand länger wie sonst an der Mütze behielt und besonders ostentativ die Brust herausdrückte. „Weiß Gott, er hat Absichten.“

„Der junge Hinterkopf hat sich den Schnurrbart

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Hermann Harry Schmitz: Der Säugling und andere Tragikomödien. Ernst Rowohlt Verlag, Leipzig 1911, Seite 89. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Hermann_Harry_Schmitz_Der_Saeugling.djvu/089&oldid=- (Version vom 1.8.2018)