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„Musik scheint bei dem Stück nicht zu sein,“ fiel es irgend jemand auf.

Viele hatten es herausbekommen, wer nun eigentlich der Hamlet war. Sie waren stolz und sagten es den Nachbarn.

Der zweite Akt.

Der dicke Herr, der mit der Elfuhr-Elektrischen fahren wollte, jagte mit beiden Händen in den Taschen aufgeregt herum. Es war ihm plötzlich unklar geworden, wo er die Garderobenummer hatte. Erst strich er vorsichtig an sich herum, damit es niemand merkte. Seine Unruhe teilte sich seiner Gattin mit. Nach vergeblichem Suchen stierte er wie irr ins Leere und grub dabei mit Zeigefinger und Daumen in der Westentasche. Platznachbarn interessierten sich für ihn.

„Mustang hat gute Momente, aber er müßte sich mehr in das Ensemblespiel einpassen,“ sagte Doktor Sodbrand vom „Journal“ zum Kritiker der „Volksstimme“ nach Schluß des zweiten Aktes. „Dann möchte ich den Hamlet nicht so bewußt. Mustang ist begabt ohne Zweifel.“ Sie sprachen noch Tiefes und Feingeistiges über das Spiel.

Nach dem dritten Akt war die große Pause. Man stürmte das Büfett im Foyer. Aller Sehnsucht lag in einem belegten Brot und einem Fläschchen Tafelbier.

„Ttja, tja, tja, eine ordentliche Arbeit, das alles auswendig zu lernen,“ bemerkte ein Oberlehrer.

Ein dicker, unsympathischer Herr mit Borstenwarzen im Gesicht und einer Sattelnase entrüstete sich, daß man noch immer solche Stücke spiele. Es wäre eine Schmach,

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Hermann Harry Schmitz: Buch der Katastrophen. Kurt Wolff Verlag, Leipzig 1916, Seite 109. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Hermann_Harry_Schmitz-Buch_der_Katastrophen-1916.djvu/107&oldid=- (Version vom 1.8.2018)