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Seite:Goethe Götz von Berlichingen WA Bd 8 067.jpg

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das Kindern weiß, die den Rübezahl glauben. Es stecken andere Sachen dahinter. Ein Feind des Reichs zu werden, ein Feind der bürgerlichen Ruh und Glückseligkeit! Ein Feind des Kaisers! Geselle eines Räubers! du, Weislingen, mit deiner sanften Seele!

Weislingen. Wenn ihr ihn kenntet –

Adelheid. Ich wollt’ ihm Gerechtigkeit widerfahren lassen. Er hat eine hohe unbändige Seele. Eben darum wehe dir, Weislingen! Geh und bilde dir ein, Geselle von ihm zu sein. Geh! und laß dich beherrschen. Du bist freundlich, gefällig –

Weislingen. Er ist’s auch.

Adelheid. Aber du bist nachgebend und er nicht! Unversehens wird er dich wegreißen, du wirst ein Sklave eines Edelmanns werden, da du Herr von Fürsten sein könntest. – Doch es ist Unbarmherzigkeit dir deinen zukünftigen Stand zu verleiden.

Weislingen. Hättest du gefühlt wie liebreich er mir begegnete.

Adelheid. Liebreich! Das rechnest du ihm an? Es war seine Schuldigkeit; und was hättest du verloren wenn er widerwärtig gewesen wäre? Mir hätte das willkommner sein sollen. Ein übermüthiger Mensch wie der –

Weislingen. Ihr redet von euerm Feind.

Adelheid. Ich redete für eure Freiheit – Und weiß überhaupt nicht was ich vor einen Antheil dran nehme. Lebt wohl.

Empfohlene Zitierweise:
Johann Wolfgang von Goethe: Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand. Weimar: Hermann Böhlau, 1889, Seite 67. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Goethe_G%C3%B6tz_von_Berlichingen_WA_Bd_8_067.jpg&oldid=3320637 (Version vom 1.8.2018)