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und dessen Manuskript sogar nach Landshut geschickt zu haben, wo es zweimal, 1517 und 1520 aufgelegt wurde. Das Schriftchen war eine kirchenrechtliche Abhandlung über das kirchliche Asylrecht („Tractatus de his qui ad ecclesias confugiunt“) und beschränkte sich seiner Natur nach auf die gelehrten Kreise. Die ihm folgenden „Sieben Bußpsalmen“ dagegen, deren lateinisches Original Johann Grunenberg in Wittenberg 1517 und bald darauf noch einmal druckte, äußerten bereits eine tiefe Wirkung auf die gebildeten Kreise und fanden einen so reißenden Absatz, daß ehe noch der erste Druck vollendet war, die ersten Bogen schon wieder aufgelegt wurden. Außer jenem Original brachte Grunenberg noch zwei Ausgaben der Übersetzung; Jakob Thanner in Leipzig folgte mit vier deutschen Ausgaben in den Jahren 1518, 1519 und 1520, denen sich noch eine Ausgabe in Erfurt anschloß, sodaß im ganzen neun Auflagen von den „Bußpsalmen“ veranstaltet wurden. Von den berühmten 95 Thesen, welche Luther am 31. Oktober 1517 an die Thüren der wittenberger Schloßkirche genagelt hatte, erschienen dort in demselben Jahre unter dem Titel „Disputatio pro declaratione virtutis indulgentiarum“ noch drei Auflagen und eine in Nürnberg, die erste auf einem Folioblatt in zwei Spalten, die andern aber in Buchform auf vier Blättern in Quart gedruckt. Erst im folgenden Jahre kam dann eine deutsche Bearbeitung unter dem Titel „Ein Sermon von Ablaß und Gnade“ heraus. Diese deutsche Ausgabe wurde dann in den Jahren 1518 bis 1520 nicht weniger als zweiundzwanzigmal aufgelegt und nachgedruckt. Es erschienen nämlich im Jahre 1518 folgende Ausgaben: 1) Wittenberg bei Johann Grunenberg, 4 Blätter in Quart, 2) bei demselben, 3) bis 6) ohne Druckort, wahrscheinlich bei Valentin Schumann in Leipzig, 7) bei Jobst Gutknecht in Nürnberg, 8) bei demselben (ohne Jahreszahl), 9) bei Hans Froschauer oder Georg Nadler in Augsburg, 10) ein augsburger Druck, wahrscheinlich von Georg Nadler, 11) und 12) bei Pamphilus Gengenbach in Basel, 13) vielleicht bei Johann Froben? Ferner 1519: 14) bei Melchior Lotter in Leipzig, 15) bei Wolfgang Stöckel in Leipzig, 16) wahrscheinlich bei Martin Landsberg in Leipzig, 17) bei Adam Petri in Basel, 18) bei Adam Dion in Breslau und schließlich 1520: 19) bei Wolfgang Stöckel in Leipzig, 20) wahrscheinlich bei Georg Nadler in Augsburg, 21) desgleichen und 22) wieder bei Johann Grunenberg in Wittenberg.

Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 412. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_07.djvu/008&oldid=- (Version vom 1.8.2018)