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Andachtsschriften und der für den Jugendunterricht unentbehrlichen Bücher. So erschien das „Resolutorium dubiorum circa celebrationem missarum occurrentium“ des Johannes de Lapide von 1488 bis 1500 in 20 verschiedenen Auflagen in Rom, Paris, Basel, Köln, Deventer, Leipzig, Straßburg und Antwerpen[1], während Thomas a Kempis’ „Nachfolge Christi“ bis 1500 99 Auflagen erlebte.[2] Von Wimphelings pädagogischen Schriften brachte es im letzten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts die „Elegantiarum Medulla“ zu rasch aufeinander folgenden fünf Auflagen, „Idoneus Germanicus“ zu vier und „Oratio quaerulosa“ wieder zu fünf Auflagen.[3] An zwei Stellen von Wimphelings Schriften wird die Höhe der Auflagen auf 1000 angegeben. Die „Postillen“ (auch Plenarien genannt, weil sie die Evangelien und Episteln für das ganze Jahr enthielten) wurden von 1470 bis 1520 in 99 verschiedenen Ausgaben gedruckt, meistens in Folio oder groß Quart und vielfach mit Holzschnitten geschmückt. Sie konnten aus diesem Grunde auch nicht billig sein, bildeten aber trotzdem einen geistlichen Hausschatz in der Familie. Von dem „Beichtbüchlein“ (Belehrung über die Beichte und Ermahnung zum würdigen Empfang der Sakramente) erschienen bis 1520 ohne Angabe des Druckorts 11 und mit Angabe desselben 34 Ausgaben.[4]

Kranz, Gering und Freiburger in Paris brachten zuerst die gegen Ende des 13. Jahrhunderts vom Bischof von Genua, Jakob de Voragine, verfaßte und von Voltaire die Contes bleues du Christianisme genannte Sammlung von Lebensbeschreibungen der Heiligen, die „Legenda aurea“; sie hatte einen selbst für die Gegenwart ungewöhnlichen Erfolg. Die Höhe der einzelnen Auflagen ist allerdings nicht angegeben, man geht aber wohl nicht fehl, wenn man jede derselben, da das Buch so vortrefflich zog, auf wenigstens 1000 Exemplare schätzt. In den letzten 30 Jahren des 15. Jahrhunderts erschienen von derselben (dem „Passional“) mehr als 100 Auflagen, darunter 1485 eine deutsche Übersetzung von Ludwig Renchen in kölnischem Dialekt[5] („Gulde Legende off dat Passional“), 3 englische, 5 französische, 8 italienische, 3 böhmische und 14 holländische (plattdeutsche) Übersetzungen. Ebenso druckten Kranz, Gering und Freiburger 1473 den 1330 von Gui de Mont Rocher geschriebenen „Manipulus Curatorum“ oder „Enchiridion sacerdotum“, welcher noch im 15. Jahrhundert 60 Auflagen erlebte.[6] Des Dominikaners Johann Nider „Praeceptorium divinae Legis“ wurde in


Fußnoten

  1. Hain, L., Repertorium Bibliographicum. Stuttgart 1831–1837. III, 237–240.
  2. Daselbst III, 119–124.
  3. Daselbst IV, 507–511.
  4. Falk, F., Die Druckkunst im Dienste der Kirche. S. 30. 80–85. 99. 104–107.
  5. Madden a. a. O. V, 205.
  6. Daselbst V, 210.


Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 326. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_05.djvu/064&oldid=- (Version vom 1.8.2018)