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auf so lange gefaßt, bis die „Stelz“ von ihren Verlegenheiten befreit sein würde. Doch aber kann dieser Vorgang mit einer beginnenden zünftlerischen Bewegung unter den Buchdruckern, die ja später die ärgsten Zunftfanatiker wurden, zusammengehangen haben. Denn auch in Leipzig wollte der Rat im Jahre 1506 über eine Ordnung für die Drucker beraten. Leider fehlen, außer dieser dürren Notiz, auch hier alle weitern Nachrichten in den Akten.

Die in einer Person vereinigte Thätigkeit des Druckers, beziehungsweise Verlegers, und des Händlers konnte auch nur kurze Zeit dauern. Solange die Zahl der Lesenden nämlich gering war und wenige Bücher erschienen, vermochte der Drucker ohne Mithilfe Dritter die Erzeugnisse seiner Presse persönlich ganz gut zu vertreiben. Als aber das Absatzgebiet im Innern immer mehr erstarkte und auch nach außen hin sich ausdehnte, war ein Einzelner nicht mehr im Stande, neben der Aufsicht über seine Druckerei weite Reisen zu unternehmen und die verschiedenen Jahrmärkte oder Messen zu besuchen. Die Drucker mußten deshalb, um mit der Entwickelung des Geschäfts gleichen Schritt zu halten und dessen kaufmännischen Betrieb zu fördern, sehr bald Verkäufer anstellen, Filialen errichten oder Gesellschafter annehmen. Zunächst löste sich also in den Verkäufern der Bücher ein anderer Zweig vom Hauptstamm ab. Diese Verkäufer hießen anfangs Buchführer und umfaßten sowohl den heutigen Sortimenter, als auch den Kolporteur. Die beiden letztern Geschäfte sind in ihrem ersten Ursprung qualitativ ganz dieselben und höchstens quantitativ voneinander verschieden, gehen aber häufig ineinander über. Der eine wie der andere widmet sich persönlich dem Kleinhandel mit den von ihm selbst, meistens aber von Dritten gedruckten oder erhandelten Büchern. Der Hausierer trägt dieselben von Ort zu Ort auf Jahrmärkte und Messen, aber er verkauft neben seinen Büchern unter Umständen auch andere Waren. Der Buchführer beschränkt sich an seinem ständigen Geschäftssitze mehr auf den ausschließlichen Vertrieb von Büchern und vermittelt, wie jener, den Verkehr des lesenden Publikums mit dem Drucker und Verleger. Der Hausierer (bibliopola libros venales deportans) ist der Zeit nach der erste und arbeitet dem Buchführer vor.

Als einer der ältesten Sortimentshändler (Buchführer) erscheint Reinhard Türkhl, welcher 1474 in Wien einem kölner Franziskanermönch

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Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 274. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_05.djvu/012&oldid=- (Version vom 1.8.2018)