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freundlicher anlächelt. Inzwischen, heiligster Vater, möge uns Dein Erbarmen helfen, weil wir gar zu arm geworden sind. Mögest Du immer gesund und glücklich sein! Rom, am 20. März 1472, im ersten Jahre Deines erlauchten Pontifikats“.

Dieser Notschrei des Bischofs verhallte jedoch ungehört. Sixtus hatte entweder kein Geld oder wollte keins hergeben. Schweinheim und Pannartz konnten also ihr Geschäft nicht fortsetzen. Jener widmete sich dann in Rom der Kupferstecherkunst und machte mit Domitianus Calderinus die ersten Versuche, Landkarten für die Buchdruckerpresse in Kupferhochschnitten herzustellen, wie das aus der Vorrede zu Ptolemäus’ „Geographie“ hervorgeht. Beide Künstler starben aber schon drei Jahre später. Die Weiterführung des Werkes übernahm alsdann Arnold Pannartz, der es 1478 vollendete. In der Schlußschrift nennt er sich merkwürdigerweise Arnold Bucking und gab dadurch zu dem noch heute verbreiteten Irrtum Veranlassung, daß ein anderer deutscher Kupferstecher dieses Namens die Vollendung des Werkes übernommen habe. Raidel hat jedoch schon 1737 den Beweis der Identität beider Namen geführt.[1] Mit demselben Jahre 1478 verliert sich dann auch die letzte Spur von Pannartz.

Die reichste, aus 21 Bänden bestehende Sammlung der schönen Schweinheim und Pannartzschen Drucke findet sich in der baseler Universitätsbibliothek, welche sie, teilweise in prächtigen Pergament-Exemplaren, von Johannes Heynlein de Lapide (vom Stein) geschenkt erhalten hatte. Ausstattung und Druck sind gleich schön. Die gut geschnittenen und gegossenen Schriften ihrer Ausgaben von Subiaco erinnern zwar noch etwas an die gotische Type, nähern sich aber schon der römischen, während die Typen der von ihnen in Rom vollendeten Werke den reinen Antiquaschnitt aufweisen. Das Papier ist gut und vortrefflich geleimt, die Schwärze ausgezeichnet; die Ränder sind breit und groß. Für die griechischen Stellen im Lactantius ist im Anfange der Raum freigelassen, um ihn später mit der Feder ausfüllen zu können; erst später, gegen Ende des Buchs, finden sich auch gedruckte griechische Stellen, aber stets von kleinerm Schriftgrade und noch ohne jeden Accent oder Spiritus.[2]

Das Beispiel dieser ersten Pioniere fand zahlreiche Nachfolger, ehe noch etwas Zuverlässiges über ihren Erfolg oder Mißerfolg bekannt sein


Fußnoten

  1. Raidel, Commentatio critica literaria de Claudii Ptolemaei Geographia. Nürnberg 1737.
  2. Das interessante Exemplar von Cicero’s De Oratore (Subiaco 1465) mit der wichtigen Schlußschrift des Antonio Tridentone ist mittlerweile aus dem Besitze seines Entdeckers Fumagalli in die reiche Klemmsche Sammlung in Dresden (für den Preis von 6275 Mark) übergegangen.


Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 186. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_03.djvu/007&oldid=- (Version vom 1.8.2018)