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Heinrich Rantzau: Geschichte des Dithmarscher Krieges

zu sorgen und ihnen nach der gesetzlichen Schwurformel vor der Entlassung einen Eid abzunehmen. In den Nachmittagsstunden traten darauf wieder alle zur Beratung zusammen. Der ganze östliche Teil des Landes war bereits in der Gewalt der Feinde. Es fragte sich nun, wie die Bauern, die sich an der Nordseite auf das nachdrücklichste versichert hatten, und bereit waren, den letzten entscheidenden Widerstand zu leisten, am vorteilhaftesten anzugreifen wären. Während der Beratungen lief einer von den dithmarsischen Posten zu den unsrigen über und berichtete, die Bauern hätten in der vorigen Nacht den Plan entworfen, von ihren Weibern den Ort anzünden zu lassen und selbst das Lager der Fürsten zu bestürmen, das nur mit einer mäßigen Bedeckung bei Meldorf zurückgeblieben war. Auf dem Marsche habe sie aber plötzlich ein Schrecken befallen und über hundert hätten die Waffen weggeworfen und sich auf die Flucht begeben. Die übrigen, durch diesen Vorfall verwirrt, hätten ihr Unternehmen aufgegeben und sich zurückgezogen. Der Plan, wenn auch erfolglos, war sehr fein angelegt. Die Bauern wußten, daß der größte und beste Teil des feindlichen Heeres abgezogen und zum Schutze der Fürsten diejenigen Truppen zurückgelassen waren, die bei der Erstürmung von Meldorf am schwersten gelitten hatten. Sie erkannten weiter, daß sie nur auf diesem Wege, wenn das feindliche Heer von seinem Plane abgezogen wurde, um ihren bedrängten Fürsten zu Hilfe zu kommen, zu den ihrigen, die in der größten Gefahr schwebten, gelangen könnten. Der Erfolg ihres klug berechneten Planes hätte leicht ein günstiger sein können, wenn die Ausführung in der beabsichtigten Weise vor sich gegangen wäre. Als der Unterfeldherr ins Lager zurückgekehrt war, entstand von neuem ein heftiger Streit über die Beute. Die eine Partei forderte Verteilung, die andere Verkauf der Gegenstände, und obwohl die Fürsten ihren ganzen Anteil den Soldaten schenkten, ließ sich der Tumult im Lager nicht ohne Mühe beschwichtigen. Um in Zukunft solche Zwistigkeiten zu verhüten, wurden Aufseher ernannt, die mit Vollmacht versehen, die Beute verteilen sollten. Dann rüstete man sich zur völligen Besiegung des Feindes.

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Heinrich Rantzau: Geschichte des Dithmarscher Krieges. Heider Anzeiger G. m. b. H., Heide 1914, Seite 69. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dithmarscher_Krieges.djvu/083&oldid=- (Version vom 17.4.2023)