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uoluerunt. Ditmarcii ab intra pecierunt graciam sibi dari, promittentes se subditos comitis Gherardi fieri et tributarios fideles. Sed comes Gherardus non confidebat eis, sed plus ignem applicari fecit et, igne fortiter incenso, et tectum ecclesie, quod erat de plumbo, resolutum, guttatim cadens super Ditmarticos inclusos, vi ianuam aperientes ecclesiam exierunt. Et cum excercitus totus non erat simul ante ecclesiam, sed erant partes exercitus hincinde in villis et edibus spoliantes cistas et capsas, Ditmarcii, resumtis viribus de locis absconditis, de foueis in agro exeuntes, totum excercitum, unum post alium successiue, cum de uespere ad castra uellent redire, et omnes principes preter Hinricum ducem Magnopolensem et Gerardum comitem, qui castra et tentoria sua habuerunt in villa Hemmyngstede, crudeliter necauerunt, quasi ad duo milia hominum. Et ita Ditmarcii illa vice sunt saluati.“

Der Unterschied dieser Nachricht von den früheren ist nicht unerheblich. Zum erstenmal begegnen wir einer Terrainkenntniß, das Heer dringt ein durch die Süderhamme, d. h. über Nordhastedt, gegen die Marsch, den Norderstrand, die oben nur vermuthete Insel Wörden, Weslingburen, dann über Hemmingstedt, durch eine Furth daselbst in dieselbe; zum erstenmal wird uns der in der Schrift der Mönche nur angedeutete Kirchenbrand zu Wörden erzählt, eine Handlung der Grausamkeit, der aber auf den Gang der Ereignisse kein Einfluß zugeschrieben wird. Zum erstenmal vernehmen wir von zwei Schlachten im Ansturm, von einer dritten auf dem Rückzuge, von 1700 Dithmarschen, die in dem ersten, von 2000 Feinden, die im letzten Kampf gefallen; die früheren Berichte hatten sich begnügt von furchtbarem Blutvergießen zu sprechen: wollen wir annehmen, daß das hier blos ausmalende Phantasie sei? Der Presbyter stimmt mit Kirchberg überein, daß Gerhard und Heinrich im Lager in ihren Zelten in Hemmingstedt geblieben seien und die Plünderungszüge ohne ihr Wissen unternommen. Sollen wir annehmen, daß die Angabe des Localen aus nachträglicher Erkundigung hervorgegangen, oder aus der Luft gegriffen sei?

Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Heinrich Kolster: Geschichte Dithmarschens. Nach F. C. Dahlmanns Vorlesungen im Winter 1826. Wilhelm Mauke, Leipzig 1873, Seite 269. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_Dithmarschens_Kolster_1873.pdf/288&oldid=- (Version vom 14.6.2018)