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der Adelscurie die Folge von diesen Transactionen, und den erzbischöflichen Vögten stand fortan allein die Landesgemeinde mit ihren Rathgebern an der Spitze gegenüber, denn weiter besagt die sogenannte Vertreibung des dithmarsischen Adels wohl nichts. Eine Minderung der Privatrechte desselben (Aufhebung eines Verhältnisses zu Hintersassen) ist damit, daß die Milites in den Urkunden nach 1286 nicht genannt werden, doch nicht gegeben, und ohne bestimmte Beweise nicht anzunehmen. – Hypothese ist in dem Obigen außer der Annahme, daß von dem Adel die Vereinigung Dithmarschens mit Holstein angeboten sei, nichts; aber eine solche Revolution wie die Aufhebung der Adelscurie will doch ihren Grund haben. Wichtig ist die Unterscheidung der 1283 paciscirenden und der 1288 handelnden Grafen. Der Erzbischof, von dem man in Dithmarschen eine Unterstützung des Adels gefürchtet hatte, fügte sich. Dem Adel blieb in den Tribus der Landesversammlung sein Platz gewahrt, und der größere Theil dachte patriotisch genug sich zu unterwerfen – wie wir denn z. B. später die Nannen als ritterbürtige Leute, Ritter des heiligen Grabes sehen –, sie hatten adlige Haltung gewahrt und, indem sie nur mit den andern Großen des Landes Ehebündnisse eingingen, die Reinheit des Blutes erhalten. Daß in vielen adligen Familien Dithmarschens tiefe Verstimmung davon die Folge war, ist nur zu wahrscheinlich, wie wir denn später manche ihre Güter verkaufen und sicherlich aus dem Lande ziehen sehen, z. B. Otto von Plon bei Michelsen, Urkundenbuch, S. 15. Die Auswanderung der Reventlouen fällt wohl früher, vor 1272, und hat mit diesen Verhältnissen nichts zu thun (Michelsen, Urkundenbuch, S. 13). Der Erzbischof versöhnte sich bald mit den Grafen, indem er seine Nichte an Graf Heinrich vermählte. Er wirkte von nun an wenigstens indirect gegen die Dithmarschen, indem er Güter des ausgewanderten Adels aufkaufte und dem Grafen schenkte (Michelsen, Urkundenbuch, S. 15, Urk. XI u. XII). Vielleicht handelt es sich hier um den Grund, auf dem die Tielenburg erbaut ward; jedenfalls lagen die Güter in dieser Gegend.

Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Heinrich Kolster: Geschichte Dithmarschens. Nach F. C. Dahlmanns Vorlesungen im Winter 1826. Wilhelm Mauke, Leipzig 1873, Seite 255. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_Dithmarschens_Kolster_1873.pdf/274&oldid=- (Version vom 14.6.2018)