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oder weist sie fort, steuert der Unsittlichkeit. Die Hochzeit darf nicht über drei Tage währen, von Dienstag bis Donnerstag; er hat darauf zu achten, daß die Einladung in gehöriger Form geschehe, die ungebetenen Gäste fortzuweisen. Auch den Leichenzug des Armen ordnet er: die nächsten Angehörigen haben für das Grab zu sorgen, aus jedem Hause der Egge hat ein Mann zu folgen, bei einer Staatsleiche ein Mann aus jedem Hause der Stadt, und der Rath hat Manneszahl abzuhalten. Er beaufsichtigt den Kaufmann, er weist dem Schiffer im Hafen seinen Platz an.

Unter Aufsicht des Rathes endlich versammelt sich einmal am bestimmten Tage und Orte alles, was die Waffen tragen kann, von dem vierzehnjährigen Knaben bis zum Greise, so lange er noch ohne Stock gehen kann. Jeder erscheint zu dieser Musterung in seiner vollen Bewaffnung und die Besichtigung gilt den Waffen nicht minder als dem Mann.

So ist eine Stelle im Rath fürwahr keine Sinecure und ein großer Theil der Brüchen mußte mit Reisen und Zehrungskosten aufgehen. Wir haben es wohl dem jährlichen Wechsel zuzuschreiben, daß wir kaum einen Meldorfer Bürgermeister kennen, geschweige denn einen Rathmann. Eine Ausnahme macht gegen das Ende des 15. Jahrhunderts Jacob Polleke, der eifrige Vertheidiger dithmarsischer Freiheit gegen die Ansprüche des dänischen Königshauses.

Der Zeit, in der wir stehen, d. h. dem Ende des dreizehnten Jahrhunderts, verdankt Meldorf ohne Zweifel das beredteste Monument seiner einstigen Größe, seine Kirche. Diese Kirche hat nicht Stadt oder Kirchspiel Meldorf gebaut; woher hätte das die Mittel genommen? wie hätte das sich so hoch über das Maß einer Landkirche erhoben? Sie ist auch nicht von Hamburg aus gestiftet; dann fänden wir in der Hamburger Kirchengeschichte die Andeutungen. Diese Kirche hat das Land Dithmarschen errichtet, sich zu Ehr und Frommen; es konnte aber das Land sich zu einem solchen Bau nur veranlaßt sehen in einer Zeit, wo Meldorf wahrhaft dessen Hauptstadt und Mittelpunkt war. Da uns aber auch nicht eine Notiz über

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Wilhelm Heinrich Kolster: Geschichte Dithmarschens. Nach F. C. Dahlmanns Vorlesungen im Winter 1826. Wilhelm Mauke, Leipzig 1873, Seite 243. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_Dithmarschens_Kolster_1873.pdf/262&oldid=- (Version vom 14.6.2018)