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aufmerksam die Bodengestaltung betrachtet, erkennt an der wechselnden Höhe des Landes leicht, daß er eine alte Insel sieht, deren umschließende Arme sich im Schweinemoor vereinigten und dort den Boden überrieselnd noch vor 30 Jahren dem Wagenverkehr gefährlich und hinderlich waren, bis geordnete Wasserleitung und Erhöhung des Weges dem Uebelstande abhalfen. Das ist das vadum Hemmingstedt, durch welches 1319 Gerhard der Große Wörden überraschte, an dem 1500 die von Wörden kommenden Dithmarschen der großen Garde Stand hielten und durch erfolgreichen Kampf gegen dieselbe einen der glänzendsten Siege errangen, indem sie nicht bloß Wörden, sondern mit ihm auch Heide und das ganze nördliche Dithmarschen schützten. – Wieder eine andere Hamme ist die von Hennstedt, das ebenfalls davon benannt ist, die Hamme der Brocklandsau, ganz ähnlich der Tielenhamme, und jene natürliche Festung, die Nordhamme, von Westen und Norden eben so deckend, wie die Tielenhamme von Osten. Diese Hamme umfaßte nicht weniger als die jetzigen Kirchspiele Schlichting und St. Annen. Noch eine andere Hamme hat dem Kirchdorf Hemme seinen Namen gegeben. Ursprünglich theilte sich nämlich die Eider an ihrer Mündung in eine Menge von Armen[1], von denen drei die jetzt unter dem Namen Eiderstedt landfest gewordenen Inseln umspannten, ein vierter aber noch 1520 von dem Prediger Joh. Erp in dem mehrerwähnten Hamburger Codex genannt ward, den wir wohl bei Wollersum und Nesserdeich zu suchen haben, und der in den inneren Fehden des Jahres 1508 ohne Zweifel eine nicht unbedeutende Rolle gespielt hat.

Was aber diesen Hammen historisch eine große Bedeutung giebt, ist, daß die Wege in dieselben, wie in Gebirgen die Pässe, von der Natur selbst festgestellt sind, so daß man dadurch auch, wenn sie nicht erwähnt sind, ganz unfehlbare Anhaltspunkte

  1. Dithmarsische Zeitung 1833, S. 208. Neocorus II, 267: „umme de dre Hemme: Sehbrock, Hulpeshemme und de Vorhemme effte Kuehemme“.
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Wilhelm Heinrich Kolster: Geschichte Dithmarschens. Nach F. C. Dahlmanns Vorlesungen im Winter 1826. Wilhelm Mauke, Leipzig 1873, Seite 239. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_Dithmarschens_Kolster_1873.pdf/258&oldid=- (Version vom 14.6.2018)