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Dithmarscher Frauen. Er eilte dann weiter nach Norden: Rendsburg ward bald nachher genommen.

Dithmarschen litt erschrecklich von dem roh und wüst hausenden Feinde und fühlte die Willkür und den Uebermuth und die Rechtlosigkeit bald noch bitterer als die materiellen Nachtheile. So zettelte sich von Meldorf aus in gänzlicher Verkennung der Verhältnisse ein Aufstand an, um den Feind aus dem Lande zu jagen. Die Rädelsführer wußten den Glauben zu erregen, daß es mit Vorwissen des Königs geschehe und von Glückstadt aus Hülfe zu hoffen sei. So ergriff man im März 1628 die Waffen und suchte die nichts ahnenden kaiserlichen Soldaten zu überraschen und zu erschlagen. Eine Schaar warf sich nach Eddelack und Friedrichshof und vernichtete das dort liegende Häuflein Militär; die andere zog nach Marne, zersprengte den dortigen Haufen, hielt sich aber da mit Plündern auf. So erreichte die Nachricht vom Aufstande die Schanze zu Brunsbüttel vor den Aufständischen, die dort leicht geschlagen und zerstreut wurden. Aber nun rückten die Kaiserlichen vor Meldorf mit der Drohung, es anzuzünden, wenn man nicht die geflüchteten Rädelsführer ausliefere; doch gelang es dem Landvogt Bruhn, durch Geld die Gefahr zu beschwören, und als bald darauf der Feind in größerer Zahl von Itzehoe anrückte, fand er bereits alles beruhigt. Die Lage des Landes freilich ward, auch abgesehen von den Verwüstungen, die den thörichten Aufstand begleiteten, natürlich viel schlimmer. Geplünderte Vorräthe, Vernichtung dessen, was von alter Zeit her lieb war, Mißhandlung von Weib und Kind waren jetzt an der Tagesordnung, der Soldat sah in dem Bauern nicht nur den Feind und den Ketzer, sondern auch den Rebellen, der auf Recht und Billigkeit keinen Anspruch, sondern vielmehr das Härteste verdient hätte. Brandschatzungen aller Art, Wegnahme der öffentlichen Kassen waren die natürliche Folge, welche die Phantasie nicht zu grell ausmalt. Im November 1628 fiel dann auch nach tapferer Gegenwehr Crempe, und Süderdithmarschen ward genöthigt, dem Kaiser zu huldigen. Das muthete man freilich Norderdithmarschen nicht, zu, dessen Fürst ja Neutralität

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Wilhelm Heinrich Kolster: Geschichte Dithmarschens. Nach F. C. Dahlmanns Vorlesungen im Winter 1826. Wilhelm Mauke, Leipzig 1873, Seite 165. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_Dithmarschens_Kolster_1873.pdf/184&oldid=- (Version vom 14.6.2018)