Seite:Geschichte Dithmarschens Kolster 1873.pdf/182

Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Bewegte sich also der Krieg noch in Franken und der Pfalz, so fühlte man doch auch in Holstein, daß man gegen denselben nicht gleichgültig sein dürfe. 1621 hielt der König einen Landtag zu Segeberg, auf welchem auch seine Neffen, der vertriebene König von Böhmen und der Herzog von Holstein-Gottorp, erschienen, und der von vielen Königen und Fürsten beschickt ward: man beschloß, sich gegen das heranziehende Ungewitter zu waffnen. Der König begann Leute zu werben und auszuheben. Zu Anfang 1623 ward diese Mannschaft versammelt, durch Marquard Ranzau gemustert und in Dithmarschen einquartiert. 1625 rückte König Christian, als sich die kaiserlichen Truppen an den Grenzen des niedersächsischen Kreises sammelten, auch seinerseits ins Feld, musterte auf dem Krummstedter Vierth 9 Fahnen Fußvolk, wo auch der Landvogt Nicolaus Bruhn erschien und sehr gnädig aufgenommen ward. Dann sandte der König seine Truppen über die Elbe. Aber der Sturz mit dem Pferde zu Hameln am 10. Juli lähmte für längere Seit seine persönliche Thätigkeit und die unglückliche Schlacht bei Lutter am Barenberge bei Hildesheim entschied trotz aller persönlichen Tapferkeit des Königs und seiner Leute 1626 am 19. August den Feldzug. Der Abfall seiner Bundesgenossen, der Fürsten des niedersächsischen Kreises, welche nun eilten, ihren Frieden mit dem Kaiser zu machen, war die nächste Folge. Jetzt wurden die Herzogthümer selbst der Schauplatz des Krieges und die Rohheit der Soldateska jener Zeit machte das eigene Heer für den Bürger und Bauer zu einem Schreckniß, nicht viel geringer als der Feind. So sah sich Süderdithmarschen durch ein Reitercorps, das der König unter dem Rheingrafen hier in Quartier gelegt hatte, dergestalt geplündert und gedrückt, daß sich zu Meldorf Bürger und Bauern gegen sie bewaffneten. Aber freilich es sollte noch ganz anders kommen.

Im Sommer des nächsten Jahres (1627) nahte der Feind den Herzogtümern, nachdem der Kaiser vergebens gesucht hatte, die Hansestädte gegen den König zu bewaffnen. Aber selbst dessen Neffe, Herzog Friedrich III., sagte sich von ihm los und suchte durch Neutralität seinen Landen ein besseres Geschick zu bereiten,

Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Heinrich Kolster: Geschichte Dithmarschens. Nach F. C. Dahlmanns Vorlesungen im Winter 1826. Wilhelm Mauke, Leipzig 1873, Seite 163. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_Dithmarschens_Kolster_1873.pdf/182&oldid=- (Version vom 26.6.2018)