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In Norderdithmarschen folgen nun aber neue Unterhandlungen über außerordentliche Steuern, 1609, zur Tilgung der Schulden. Der Herzog fordert, und zwar zwei Jahre nach einander den hundertsten Pfennig von der Habe, Grundbesitz oder Vermögen, oder Häuser. Er weist darauf hin, daß die Schuld eine Staatsschuld sei, von seinen Ahnen herstammend, daß also das Land für sie hafte; daß ferner die Aussteuer seiner Schwestern, die Ausstattung und Abfindung seines jüngsten Bruders, Johann Friedrich, Erzbischof von Bremen und Bischof von Lübeck, ihn dazu gedrängt habe, und erinnert, wie die Einzelnen seit langer Zeit ein ruhiges Leben geführt und ihrem Erwerbe unbehelligt hätten nachgehen können. Jahrelange Verhandlungen mit den Gevollmächtigten waren begreiflicherweise die Folge davon, welche letztere sich natürlich dadurch immer fester zu einer Repräsentativverfassung zusammenschlossen, obwohl noch von einer Verhandlung mit ihren Committenten die Rede ist.

Besser scheint in pecuniärer Beziehung Süderdithmarschen daran gewesen zu sein. Auch hier ward zur Ausstattung des Bruders König Christians IV. eine Contribution von 18000 Thalern bezahlt und Hans Dethlefs spricht von 20000 Thalern zu dem Kriege mit Schweden 1609–1611. Dieser Krieg rief auch an der Küste Dithmarschens Bewegung hervor, indem man eine Landung schwedischer Schiffe befürchtete und deshalb streng Wache hielt. Er ward auch wohl Veranlassung, daß man die Wehrverfassung des Landes in’s Auge faßte; die Mannschaft der einzelnen Kirchspiele ward 1615 gemustert und zeigte sich wohl kriegstüchtig, aber schwer zu regieren. König Christian erschien 1613 persönlich in Brunsbüttel, um die Anlegung von zwei Steinwehren zu betreiben, und gewann, indem er selbst Hand anlegte, Aller Herzen. Er verschloß auch das Ohr nicht gegen das Gesuch, daß keine Erhöhung des Ackerschatzes vom Morgen solle angeordnet werden, sondern nur eine Berechnung des festen Satzes nach seinem Verhältniß zum Thaler, wie es gegenwärtig sei; denn diese Zeit litt furchtbar unter pecuniärer Calamität. Der Herzog hatte durch seinen Münzmeister Matz

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Wilhelm Heinrich Kolster: Geschichte Dithmarschens. Nach F. C. Dahlmanns Vorlesungen im Winter 1826. Wilhelm Mauke, Leipzig 1873, Seite 158. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_Dithmarschens_Kolster_1873.pdf/177&oldid=- (Version vom 14.6.2018)