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der dem Wandgemälde gegenüberstehenden Mauer, im J. 1730 aber unter dem Gemälde. Die Buchstaben sind vergoldet, der Untergrund ist blau. Eine andere, nicht mehr vorhandene Tafel hing um 1600 und 1730 unter dem Gemälde und war beschriftet wie folgt:

Post M. C. Christi triginta duos locus iste
Annos fundatur, Heilsbrun qui rite vocatur,
Virginis atque piae matris sub honore Mariae
Ac Sancti Jacobi, qui major vel Zebedei.
Da veniam cunctis Deus hic requie tibi functis.

Daß diese Inschrift nicht aus grauer Vorzeit stammt, zeigt die Schreibart „Heilsbrun“, welche erst um 1400 aufkam, veranlaßt durch den irrigen Glauben an eine in der Vorzeit vorhandene Heilquelle. Daß die zuerst mitgetheilte Inschrift gleichfalls nicht aus grauer Vorzeit stammt, beweist schon die Form der Buchstaben. Daß beide Inschriften im J. 1471 zur Zeit des 23. Abts Wegel (wahrscheinlich von ihm selbst) gefertigt worden sind, wird im III. Abschn. bei diesem Abt berichtet werden. Auch das Wandgemälde ist nicht sehr alt, was schon aus der nicht antiken Form der Wappen des Bischofs und der Grafen hervorgeht. Die Cisterzienser duldeten, so lang sie sich genau an ihre Ordensregel hielten, keine Bilder in ihren Kirchen; daher waren auch in der Heilsbronner Kirche 200 Jahre lang keine Bilder. Die vom Bischof Otto erbaute, noch stehende Basilika zeigt, dem Cisterzienserbrauche entsprechend, keine Verzierungen, keinen Schmuck, sondern höchste Einfachheit. Das besprochene Wandgemälde wurde erst 250 Jahre nach der Klosterstiftung gefertigt, aber noch vor den Jahren 1427 bis 33, in welchen der noch stehende Reiter- oder Sattelthurm, östlich vom Querschiffe, erbaut wurde. Auf dem Wandgemälde erscheint der Thurm[1] noch an seiner früheren Stelle, westlich vom Querschiffe. Die von Otto erbaute Basilika hatte vermuthlich, dem demüthigen Cisterzienserbrauche gemäß, gar keinen Thurm. Auf dem Gemälde


  1. Anders Stillfried S. 190.
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Georg Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn (Band 1). C. H. Beck’sche Buchhandlung, Nördlingen 1879, Seite 13. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Georg_Muck_-_Geschichte_von_Kloster_Heilsbronn_(Band_1).pdf/29&oldid=- (Version vom 31.7.2018)