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diesem schiefen Urteil schuld. Ihre Theater und ihre Literatur befaßten sich fast ausschließlich mit dieser Handvoll unnützer Leute, ausschweifender Müßiggänger und ehrvergessener Frauen, die das sogenannte Paris darstellten, obwohl die inneren Boulevards noch lange nicht Paris sind. Hervorragende französische Persönlichkeiten haben das, wie das der Verfasser in der ihm zugänglichen Pariser Presse fand, noch mitten im Krieg öffentlich beklagt. Aber sie konnten nicht hindern, daß Frankreich allgemein für dekadent galt, und es im einem Punkt vor allem auch wirklich war, in seiner Pariser Presse, die, schon im Frieden bestechlich bis zur Schamlosigkeit, gesättigt mit allen schlechten Instinkten bis in die Knochen, im Krieg ein Maß menschlicher Gemeinheit erreichte, das sich hier kaum andeuten läßt. Namentlich in den Bildern, die im Text politischer Zeitungen, wie des „Matin“, erschienen … Karikaturen wie der Deutsche, der mit dem Teufel aus einer mit belgischem Kinderblut gefüllten Hirnschale Brüderschaft trinkt – der Ulan, der auf einem Hügel toter Kinder – es wurde natürlich einfach ein Haufen Puppen photographiert – von seinem Vorgesetzten das Kopfgeld in Empfang nimmt, das in Deutschland auf die Spießung von Kindern unter drei Jahren ausgesetzt ist – das mächtige Ungetüm, halb Schwein, halb Hyäne, das mit der Pickelhaube auf dem Kopf die französischen Gräber aufwühlt – oder als heiteres Bild – die Gattinnen deutscher Heerführer daheim, damit beschäftigt, die von ihren Männern draußen geraubten Silbersachen auszupacken –, ja, so wahnsinnig das klingt: Der Franzose glaubt das! Es muß immer wiederholt werden: Er glaubt es jetzt noch, so wie es zu Anfang des Krieges unter dem Einfluß Englands die halbe Welt glaubte. Man macht sich von der Unkenntnis deutscher Art und deutschen Wesens, die vor dem Krieg in Frankreich herrschte, keinen Begriff. Wir galten einfach für Barbaren, für bösartigere als die Russen, die man sich als ein sanftes und träumerischem Hirtenvolk vorstellte. So vertraute vor einem größeren Diner in Paris die Dame des Hauses dem Verfasser dieses Vortrages flüsternd an, es gebe nachher Krebse. Ob sie ihm nicht vorher noch schnell zeigen solle, wie man diese Tiere esse, da er doch sicher das von Deutschland her nicht wisse? Oder es wurde schon vor vielen Jahren der Verfasser an der französischen Grenze aufgefordert, sich zu legitimieren, und auf seine Frage: Warum? kam die Antwort: „Sie haben weder einen dicken Bauch, noch eine Brille! Also können Sie nur deutscher Offizier sein!“

Dank dieses Abgrunds von Unkenntnis deutscher Dinge kann die französische Presse das französische Volk immer noch in seiner blutigen Hypnose erhalten, und darum dürfen wir

Empfohlene Zitierweise:
Rudolph Stratz: Frankreich (Vortrag von Rudolph Stratz). Kriegs-Presse-Amt, Berlin 1917, Seite 9. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Frankreich.pdf/9&oldid=- (Version vom 1.8.2018)