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Das war die Zeit, wo die französischen Maler Ehrenplätze auf den deutschen Kunstausstellungen erhielten, und die deutsche Künstlerschaft gegen die Bevorzugung der Franzosen durch manche deutsche Galeriedirektoren öffentlich Einsprache erhob. Aus der Ausstellung des „Salon“ in Paris mußte im April 1914 die Büste Sr. Majestät des Deutschen Kaisers infolge allgemeinen Protestes entfernt werden.

In allen deutschen Buchläden lagen französische Romane zum Verkauf. In Paris notierte sich der Verfasser bei seinem letzten Aufenthalt, kurz vor Ausbruch des Krieges, aus dem Schaufenster einer Buchhandlung u. a. folgende Werke: „Preußens Ende“, „Die Teilung Deutschlands“ mit einer Karte, auf der von ganz Deutschland nur noch ein kleines Stück Thüringen mit Weimar als Hauptstadt übrig blieb. Dann: „Der Schlacht entgegen!“ von dem Generalstabskapitän Becker, „Siegen!“ von Oberstleutnant Montaigne, „Die Armee bereit!“ von Reinach, „Bereitet euch zum Sieg vor!“ von Oberstleutnant Cherfils, „Sonne, wann gehst du im Osten auf!?“ von Oberstleutnant Mandéfir, „Die Banner Frankreichs“ von Oberst D’André, „Deutschland in Gefahr!“ von Oberstleutnant de Boucher.

Ja, Deutschland war in Gefahr – in der Gefahr, das Wort des Dichters zu vergessen: „Es kann der Frömmste nicht im Frieden bleiben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt!“

Es war in Gefahr, diesen bösen Nachbar ganz falsch zu behandeln, indem es großmütig und dauernd dessen freche Herausforderungen über sich ergehen ließ, wie wir eben an einer Reihe selbsterlebter Beispiele sahen, und ihn so zu immer neuen Zeichen der Feindseligkeit ermutigte.

Und doch konnten wir nichts anderes von ihm erwarten; denn Frankreich war immer unser Feind; war der deutsche Erbfeind seit Jahrhunderten.

Frankreich war es schon unter seinen Königen, den Bourbonen. Wir sehen die berühmten Raufbolde Ludwigs XV., die „drei Musketiere“, um das Denkmal ihres geistigen Vaters, des Dichters Dumas, gruppiert.

Frankreich war unser böser Feind während des Kaiserreichs. Es war unser Feind während der Republik. Der Geist des Kriegs bis aufs Messer wider Deutschland, wie ihn die Gambetta-Statue in Paris verkörpert.

Keine Staatsform hinderte seit Jahrhunderten Frankreich, die deutschen Lande mit Krieg zu überziehen. 1635 verwüsteten zum erstenmal französische Heere den Rhein. Zehn Jahre später hausten sie fürchterlich in ganz Bayern. 1673 wurde wieder von welschen Horden alles am Rhein eingeäschert und in den folgenden Jahren von den Mordbrennern

Empfohlene Zitierweise:
Rudolph Stratz: Frankreich (Vortrag von Rudolph Stratz). Kriegs-Presse-Amt, Berlin 1917, Seite 4. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Frankreich.pdf/4&oldid=- (Version vom 1.8.2018)