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erklärt er für unrein. 282 Ja, selbst für den Fall, dass die Krankheit geheilt wird und der Leib seine frühere Beschaffenheit wiedererlangt, schrieb er gewisse Reinigungen vor, nämlich Abwaschungen und Bäder in Quellwasser und das Abscheren aller Haare; und erst wenn der Geheilte viele und mannigfaltige Opfer dargebracht hat, erlaubt er ihm den Eintritt in die heilige Stadt.[1] 283 Wäre er nun selbst mit diesem Gebrechen behaftet gewesen, so hätte man doch im Gegenteil eine gewisse menschenfreundliche Fürsorge für seine Leidensgenossen von ihm erwarten dürfen. 284 Aber nicht allein inbetreff der Aussätzigen hat er solche Bestimmungen erlassen, sondern er schliesst sogar alle, die auch nur den geringsten körperlichen Fehler aufweisen, von der Priesterwürde aus, und wenn jemand mitten während der heiligen Handlungen von einem solchen Unglück betroffen wird, so nimmt er ihm sein Amt.[2] 285 Wie ist es nun denkbar, dass er solche Bestimmungen traf, die gegen ihn selbst zur Anwendung kommen mussten, und dass er Gesetze zu seiner eigenen Schmach und Schande gab? 286 Auch dass er den Namen gewechselt haben soll, ist höchst unwahrscheinlich. „Früher,“ sagt Manetho, „hiess er Osarsiph.“ Dieser Name stimmt aber doch gar nicht mit der späteren Änderung; der wahre Name bezeichnet vielmehr den Moyses als einen aus dem Wasser Geretteten: denn Wasser heisst bei den Aegyptiern „Moy“. 287 Ich glaube nun den genügenden Beweis erbracht zu haben, dass Manetho zwar, so lange er sich an die alten Urkunden hält, der geschichtlichen Wahrheit ziemlich nahe kommt, dass er aber, sowie er sich unverbürgten Sagen zuwendet, entweder selbst unglaubwürdige Vermutungen aufstellt oder den Leuten glaubt, deren Aussagen vom Hasse beeinflusst sind.[3]

Empfohlene Zitierweise:
Flavius Josephus: Des Flavius Josephus Selbstbiographie, Gegen Apion. Otto Hendel, Halle a.d.S. 1900, Seite 137. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:FlavJosApionVitaMakkGermanClementz.djvu/137&oldid=- (Version vom 4.8.2020)
  1. 3. Mos. 13ff.; Matth. 8, 4; Mark. 1, 44; Luk. 5, 14.
  2. 3. Mos. 21, 17ff.
  3. Historische Treue konnte man von Manetho auch wohl nicht erwarten. Denn wie er selbst in der Vorrede an Ptolemaeus Philadelphus angiebt, war seine Schrift eine Antwort auf die Frage dieses WS: Die auf der nächsten Seite fortgesetzte Anmerkung wurde hier vervollständigt Königs: ‚περὶ τῶν μελλόντων τῷ κόσμῷ γίγνεσθαι‘ (über die zukünftigen Schicksale der Welt), Ein Werk aber, dessen Hauptzweck die Prophezeiung war, nahm es mit der geschichtlichen Wahrheit vermutlich nicht allzu genau.