Hauptmenü öffnen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

zu erregen, verbreiten, – wenn anderseits deutschschweizerische Blätter durch Reichstagsabgeordnete an erster Stelle deutsche Siege als „unsere“ Siege verkünden lassen, die Eroberung Belgrads durch Fettitel und Hände und begeisterte Kommentare feiern und den nachfolgenden Wiederverlust in das Feldgrau durchlaufender Zeilen verstecken, wenn sie immer wieder im Redaktionsteil einseitig chauvinistische Elaborate als historische Aufklärung empfehlen, so geht all das über die Grenzen erlaubter Sympathiebetätigung hinaus, ist eine Verletzung neutralen Anstandes und Pflichtgefühls.

In Genf hat eine objektive Bemerkung einem verdienten Professor den Lehrstuhl gekostet, in Lausanne sind Bürgerrechtsgesuche alteingesessener ehrenwerter deutschschweizerischer Bewerber gegenüber französischen Kandidaten nur knapp durchgedrungen, weil man die Deutschsehweizer, durch die ausländisch bediente und orientierte Presse verhetzt, als „Prussiens“ deklariert.

Dabei darf man keinen Moment zweifeln, daß hüben und drüben all diese Kreise, Redaktionen wie Publikum, als begeisterte Schweizer fühlen und bei jeder Gefährdung unserer Neutralität von außen her ihren Mann stellen würden. Ja, ich bin sogar überzeugt, daß wir Mühe hätten, den Patriotismus gegen jeden Angreifer, ohne Rücksicht auf die Sprachgemeinschaft vom Franktireurkrieg zurückzuhalten.

Die „Gazette de Lausanne“, das unbestrittene Organ der frankophilen Schweizer, schreibt in einem Leiter „L'opinion de nos confédérés“ vom 29. November, der sich anerkennenswerter Objektivität befleißigt: „Die Meinung der deutschen Schweiz ist nicht im geringsten so einstimmig (lies einseitig), wie die der Westschweiz. Ihre Sympathien sind mehr nuanciert, und weil das Herz weniger mitspricht, behauptet die Vernunft ihre Rechte, die Rechte der freien Diskussion.“ Es ist das ein Kompliment, auf das wir Deutschschweizer stolz sein dürfen, wenn wir es auch leider nicht voll akzeptieren können.

Empfohlene Zitierweise:
Robert Durrer: Kriegsbetrachtungen. Rascher & Cie., Zürich 1915, Seite 22. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DurrerKriegsbetrachtungen.pdf/24&oldid=- (Version vom 31.7.2018)