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geringe Mühe, ihren schweren Deckel zu öffnen und zurückzuschlagen. Ein mit Goldstickerei prachtvoll verziertes Tuch war über ihren Inhalt gebreitet. Als der Knabe jetzt mit einem Ruck den schweren Stoff fortzog, prallte er entsetzt zurück. Beinahe wäre die Lampe seiner bebenden Hand entfallen. Auch das kleine Mädchen stieß einen lauten Schrei des Schreckens aus und umklammerte angstvoll den Freund. Doch der hatte schnell seine alte Keckheit wiedergefunden.

„Habe keine Furcht, Lottchen“, sagte er sorglos. „Der Mann da wird uns nichts tun. Ich weiß, solche Leichen, die nicht verwest, sondern eingetrocknet sind und daher sich wenig verändert haben, nennt man Mumien. – Sieh nur, welch’ prächtige Kleidung der Tote an hat! Und da – an seiner linken Hand blitzen kostbare Ringe. – Wie das funkelt und flimmert! Es müssen Edelsteine sein …“

Scheu wagte sich nun auch die Kleine näher heran. Aber so recht traute sie der Mumie doch nicht in das von einem langen, dunklen Bart umrahmte, bräunliche Gesicht zu sehen.

„Heini, mache den Kasten schnell wieder zu“, bat sie leise. „Der Mann sieht garstig aus.“

Der Junge kam ihrem Wunsche sofort nach. „Man soll den Toten ihre Ruhe lassen“, meinte er,

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W. Belka: Die Zauberinsel. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 31. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Zauberinsel.pdf/32&oldid=- (Version vom 31.7.2018)