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Seite:Der Held von Berlin.pdf/83

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Pracht gefehlt. Der letzte Schliff, der letzte Glanz, die letzte Erhabenheit. Als sie jetzt hereinrauschte, sah er sie bewusst zum erstenmal mit den Augen des Mannes. Sah sie, weil die Steifheit der spanischen Hoftracht einen pikanten Gegensatz bildete zu ihrem jungen belebten eifrigen Gesicht, weil sie hinreissend aussah und – weil er auf einen Tiefstand männlichen Selbstbewusstseins herabgesunken war. Er fühlte[1] sich erniedrigt und gedemütigt und zerschlagen wie nie zuvor.

Jos Wirkung auf ihn war geradezu mystisch. Rolle und Leben gerieten durcheinander. Sie war für ihn plötzlich die Königin, die hohe Gnaden spendende Frau, die ihm Ehre und Selbstgefühl wiedergeben konnte. „Gebt mir die Karavellen, Königin,“ sang er, flehte er, „lasst mich Euch und der Welt beweisen, was ich vermag.“

Er hatte bis jetzt auf der Generalprobe verwirrt und abgelenkt gesungen, Die Verquickung seiner eingebildeten Schmach und der Ehrenrettung durch Jo mit der Schmach und Ehrenrettung des Columbus durch das Vertrauen Isabellas war zu plötzlich über ihn gekommen. Er sang auch diese Szene heute schlecht. Aber er sang sie am nächsten Abend mit einer künstlerischen Überlegenheit, einer spontanen Kraft, einer inneren Beteiligung und Erlebtheit, einer überzeugenden Wahrheit, dass dieses Duett zum Höhepunkt der Opernrevue wurde. Es war der erste Orkan, der den weiten Zuschauerraum durchtoste.

Das Theator war auf zehn Tage im Voraus ausverkauft. Der Name Henry Bara war ein Kassenmagnet, der mit seiner Anziehungsgewalt auch über diese geldknappe Zeit der Krise triumphierte. Die Premiere


  1. Vorlage: fühl-
Empfohlene Zitierweise:
Alfred Schirokauer: Der Held von Berlin. Typoskript, Berlin o. J., Seite 82. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Der_Held_von_Berlin.pdf/83&oldid=3263721 (Version vom 31.7.2018)