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Onkel so viel Wesens gemacht hatte, das lustige, wohllebige, leichtsinnige Hamburg mit seinen guten Beefsteaks, seinen glänzenden Schaufenstern und den hübschen drallen Dienstmädchen! Vom Hammerbrook hatte sein Onkel nichts gewußt, ganz natürlich, – der war ja noch vor dreißig Jahren ein sumpfiges Weideland gewesen, hatte ihm gestern abend sein Hauswirt erzählt.

Er war so schnell gegangen, daß nun auf einmal die Straßen hinter ihm blieben; ein offenes, gräbendurchzogenes Land lag da wie eine Wüstenei. Er sah sich um, kein Haus, kein Mensch, – er mußte fehlgegangen sein. Zweifelnd blickte er nach dem Himmel. „Ob denn hier nie die Sonne scheint?“ murmelte er, „heut ist sie gewiß nicht aufgegangen“. Da zerriß plötzlich das Wolkengespinst; ein fahles Gelb übergoß den Westen, das Wasser der Fleete glitzerte wie die schwarz-goldigen Schuppen einer trägen Schlange. Dichter flogen die Krähen über die Erde, um die Holzplätze und Dachziegelhaufen; und vor ihm – er prallte fast zurück – schimmerte klares Blut auf einer Glasscherbe; nein, es war ja nur der Widerschein der Abendsonne! Nun sah er denselben blutigen Glimmer in den Fenstern eines elenden Wirtshauses in der Ferne. „Ich wollte, ich wäre in Pirna,“ sagte er; dann aber horchte er aufatmend: hinter ihm erklangen Menschenstimmen, ein leises girrendes Lachen

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Ilse Frapan-Akunian: Zwischen Elbe und Alster. Verlag von Gebrüder Paetel, Berlin, Leipzig 1908, Seite 173. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwischen_Elbe_und_Alster_Frapan_Ilse.djvu/173&oldid=- (Version vom 31.7.2018)