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„Bist Du zufrieden? fragte er mit dem einschmeichelnden Blick und Ton der ihm zu Gebot stand. Du Dich nicht mehr erdrücken lassen von Erinnerung an vergangenes Weh? Bringst Du mir Dein liebes, freundliches Gesicht zurück, das ich licht und lächelnd sehen muß wenn ich zufrieden sein soll, meine Taube?“

Er hatte den Arm um ihre Schulter gelegt und sah ihr in die Augen mit einer solchen Zärtlichkeit, daß Cornelie ganz hingerissen entgegnete:

„O Du Lieber! nie anders als nachsichtsvoll und himmlisch gut bist Du für mich, und ich habe doch Tage gehabt .… nach dem Tode des Kindes .… in denen ich meinte mit Felix mein höchstes Gut verloren zu haben, in denen ich vergaß daß Du neben mir stehst, in denen mir die Lebensfreude untergegangen war, obgleich ich Dich hatte. Nein, Eustach, ich will mich nicht nutzlos abhärmen, weil eine Hofnung vom Baum des Lebens herabgefallen ist – und weil dem Auge entrückt ward was dem Herzen ein unverlierbarer Schatz bleibt. Nein, Eustach! ich bin sehr glücklich, sehr zuversichtlich, sehr freudenvoll .… bei Dir, Du Einziglieber, und spreche mit dem Sänger des Hohenliedes: „Ich sitze in dem Schatten deß ich begehre und die Liebe ist sein Panier.“

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Ida von Hahn-Hahn: Zwei Frauen. Zweiter Band. Berlin 1845, Seite 2. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwei_Frauen_(Hahn-Hahn)_v_2.djvu/003&oldid=- (Version vom 18.8.2016)