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„Sie sind auf einmal in den Extremen? revolutioniren Sie gegen Sich Selbst?"

„Behüte! - ich liebe sehr die Extreme .… zu beobachten und über sie zu räsonniren.“

Die Belgische Revoution brach aus. Ueberall wuchsen Spannung, Theilnahme, Furcht, Hofnung. Madame Orzelska schrieb und empfing posttäglich Briefe. Ende September hatte sie mit ihren Verwandten nach Wien gehen wollen, die Damen wünschten abzureisen; aber sie wollte nicht; sie fühlte sich hier freier, unbeschränkter, weniger beachtet und beobachtet. Jene reisten wirklich ab; sie blieb mit ihrer Gesellschafterin; auch Gotthard blieb, sonst Niemand mehr. Eustach war glücklich über diesen Entschluß. Er konnte sich nicht in das einsame Leben auf Altdorf und ohne sie zurecht finden. Sie erwiderte noch nicht seine Leidenschaft; aber sie

machte ihm Hofnung, oder ließ ihn selbst sie sich machen.

„O ewige Zweiflerin!“ rief er zuweilen.

„Zweiflerin? ja; der Glaube hat mir bittre Frucht getragen. Aber ewig?“ .… sie zuckte die Achseln und schlug die Augen zum Himmel auf, als wolle sie die Sterne fragen. Er war der Patito; sie konnte nun einmal nicht ohne einen solchen leben, und daß es Gotthard bei Cornelien war, beruhigte

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Ida von Hahn-Hahn: Zwei Frauen. Erster Band. Berlin 1845, Seite 84. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwei_Frauen_(Hahn-Hahn).djvu/088&oldid=- (Version vom 31.7.2018)