Seite:De Zwei Frauen (Hahn-Hahn).djvu/071

Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.


er plötzlich ab, und ließ das junge Mädchen gekränkt und ihre Eltern empört im Stich, und zum zweiten Mal, in dem Augenblick als eine reizende Wittwe seine bestimmte Erklärung erwartete, bat er sie - über acht Tage mit ihm Schlitten zu fahren. Verdrießlich sprach sie „Nein!“ und verlobte sich am Tage der Schlittenfahrt mit einem Anderen - wozu Gotthard ihr höchst gelassen gratulirte. Er hatte nicht die Tiefe aus der unüberwindliche, maßgebende Leidenschaft aufwachsen, nicht die Glut in der sie gedeihen; sein skeptischer Verstand ergründete jene und dämpfte diese. In Zeiten wo die Reflexion auf Kosten der Thatkraft entwickelt wird, und wo bequeme äußere Verhältnisse letztere einlullen statt sie durch Drangsale aufzustacheln, sind Männer wie Gotthard nicht selten.

„Und weshalb gefällt Ihnen die Gräfin Sambach?“ fuhr er in dem Gespräch mit Madame Orzelska fort.

„Sie ruht mich aus, erwiderte Antoinette; sie macht mir den Effect eines Schweizer Sees - still, tief, wunderschön, nicht beschränkt aber eingeschränkt. O, die Erquickung!“

„Und Graf Sambach?“

„Quincaillerie-Waare aus Paris, erste Qualität, superfein - recht unterhaltend für die Welt

Empfohlene Zitierweise:
Ida von Hahn-Hahn: Zwei Frauen. Erster Band. Berlin 1845, Seite 67. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwei_Frauen_(Hahn-Hahn).djvu/071&oldid=- (Version vom 31.7.2018)