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reiste zusammen, wie die Polinnen das oft zu thun pflegen; die Hauptfigur in der Gruppe war aber Madame Antoinette Orzelska, die Cousine, und deshalb bezeichnete Eustach mit ihrem Namen zugleich das ganze Planetensystem dieser Sonne. Sie war eine reizende Erscheinung, gemischt aus Grazie und Caprice, aus Feinheit und Ueppigkeit. Ihr zartes bewegliches Gesicht war eingerahmt von langen blonden Locken, welche damals nur ausnahmsweise getragen und tirebouchons à l'anglaise genannt wurden. Mächtige dunkelbraune, schwarz umwimperte Augen kontrastirten lebhaft mit der matten Färbung des Haars und des Teints. Sie kleidete sich nie anders als in weiß oder blaßgrau; sie behauptete sie sehe affrös in jeder bunten Farbe aus.

Leichte wallende Federn, Fluten von Spitzen, standen dem duftigen Antlitz vortreflich, und faltenreiche transparente Stoffe hoben die üppige sylphenhaft geschmeidige Gestalt. Sie war dazu geschaffen die Männer in Masse zu verzaubern und den Gemal zur Verzweiflung zu bringen. Der ihre war „là bas dans les pays“ und sie reiste mit ihren Verwandten ihrer Gesundheit wegen schon seit anderthalb Jahren - wie das bei den Polen Sitte ist.

Eine Frau wie Madame Orzelska elektrisirte Eustach. Ein strenger Mann würde sie kokett- ein

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Ida von Hahn-Hahn: Zwei Frauen. Erster Band. Berlin 1845, Seite 60. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwei_Frauen_(Hahn-Hahn).djvu/064&oldid=- (Version vom 31.7.2018)