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und froher Zustimmung verlobte und vermälte sich Cornelie; Aurore in einem Seligkeits- und Wonnerausch. Zu denken verstand natürlich noch keine. Sie waren eingepuppt in das Gefühlsleben ihres Geschlechts; aber die Eine schien darin zu phantasiren und die Andre darin zu schlafen. Jene war die interessantere bei ihrem Eintritt in die Welt; ob diese überhaupt interessant werden könne hing davon ab, ob sie je erwachen würde. Für Aurore war es leicht voraus zu sehen, daß ihr das Leben schmerzenreich und gefährlich werden könne, weil sie Ansprüche im großen Styl an dasselbe machte, an eine gegenseitige Liebe, der kein Opfer zu schwer, keine Selbstverleugnung zu groß, keine Treue zu rein, keine Pflichterfüllung zu mühevoll war: in der Gegenseitigkeit einer unauslöschlichen Liebe lag ihr Sporn und ihr Lohn.

An die Seite dieser flammenden, opferdurstigen Seele trat Friedrich von Elsleben, der sein Dragonerregiment nach siebenjährigen friedlichen Lieutenantsdienst mit Freuden verließ, um auf dem Stammschloß Elsburg in der Altmark, das ihm so eben durch den unerwarteten Tod eines kinderlosen Oheims zugefallen war, eine unabhängigere Existenz zu beginnen. Warmblütig , unbedachtsam, innerlich nicht blos ungebildet sondern roh, fehlte es ihm weder

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Ida von Hahn-Hahn: Zwei Frauen. Erster Band. Berlin 1845, Seite 8. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwei_Frauen_(Hahn-Hahn).djvu/012&oldid=- (Version vom 31.7.2018)