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kann uns ja gar nicht erwischen. – Wer geht denn nachts über die alte Schloßstiege, bitte dich – und ich kann jetzt mit Sperrhacken umgehen, daß du staunen wirst.“

*     *     *

Die beiden Freunde hatten sich bis zur Dunkelheit in den Straßen umhergetrieben, ehe sie ihren Plan ausführten. – Dann waren sie über die Mauer geklettert und standen nun vor dem altertümlichen Hause, welches dem Perser gehörte.

Das Gebäude, – einsam auf der Anhöhe des Fürstenbergschen Parkes, – lehnt wie ein toter Wächter an der Seitenmauer der grasbewachsenen Schloßstiege.

„Dieser Garten, – diese alten Ulmen da unten haben etwas namenlos Grauenhaftes,“ sagte Ottokar Dohnal, „sieh nur, wie drohend sich der Hradschin vom Himmel abhebt, – und diese erleuchteten Nischenfenster dort in der Burg. – Wahrhaftig, es weht eine seltsame Luft hier auf der Kleinseite. – Als ob sich alles Leben tief in die Erde zurückgezogen hätte, – aus Angst vor dem lauernden Tode, und hast du nicht auch das Gefühl, daß eines Tages dieses schattenhafte Bild plötzlich versinken müsse, – wie eine Vision, – eine Fata morgana, – daß dieses schlafende zusammengekauerte Leben wie ein gespenstisches Tier zu etwas Neuem, Schreckhaften erwachen müsse! –

Und sieh nur, da unten die weißen Kieswege, – wie Adern.“ –

„Komm doch schon,“ drängte Sinclair, „mir schlottern die Knie vor Aufregung, – hier, – halte mir unterdessen den Situationsplan.“ – – – – –

Die Türe war bald geöffnet, und die beiden tappten eine alte Treppe empor, auf die der dunkle Sternenhimmel durch die runden Fenster kaum einen Schein warf.

„Nicht anzünden, man könnte von unten, – vom Gartenhaus – das Licht bemerken, hörst du, Ottokar. – – – – – Geh dicht hinter mir. – – – – –

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Gustav Meyrink: Orchideen. München o. J., Seite. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Orchideen_Meyrink.djvu/032&oldid=- (Version vom 31.7.2018)