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Ströme von Licht fließen von mir nieder. Sie tauchen in das rothe Flammenmeer und fressen seine Röthe und verzehren den Qualm. Alles verschwindet, die ganze Erde, alle Sterne, der Mond. Die Sonne stürzt im Bogen wie ein großer, feuriger Ball über das Himmelsgewölbe und erlischt.

Ich schwebe allein im unendlichen Raum.

Allein über dem Nichts, dem vernichteten Chaos, wie Gottes Wort über den Gewässern.

Ich habe gesiegt!


34.

O Mutter, Mutter, was haben sie deinem Kinde angethan! Ich bin in einem großen, öden, grauen Hause, so öd und grau, unter vielen, fremden Leuten, die mich nicht verstehen, die mich nur blöde anstarren und grinsen. Sie haben mich in eine große, grobe Jacke gesteckt und mir die Ärmel am Rücken übereinander gebunden. So liege ich im Bett und kann mich nicht rühren. Und ich bin immer ganz allein. Oft habe ich Durst, und niemand, niemand gibt mir Wasser. Ich friere auch so sehr. Hier ist es so kalt, und man macht so selten Feuer. Nicht einmal zum Kamin darf ich gehen und in die Flammen schauen. Das wärmt einen so sehr. Sie

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Arnold Hagenauer: Muspilli. Leipzig 1900, Seite 147. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Muspilli_hagenauer.djvu/145&oldid=- (Version vom 31.7.2018)