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imstande. Endlich schnitt ich einen Partikel mit der Nagelscheere weg, wickelte ihn in rosa Seidenpapier und that ihn in mein Portemonnaie. Ich wollte doch auch eine Erinnerung an diesen Morgen mit nach Hause nehmen.

Ich trat sodann vor den Spiegel. Schrecklich sah ich aus. Ganz unkenntlich. Bis in den Hals hinein mit Blut verschmiert. Die Haare waren im Bart und auf dem Kopfe zu einer steifen Kruste verklebt. Das Hemd war wie ein Schwamm. Ich untersuchte die große, braunlackierte Kanne. Kein Tropfen Wasser.

Auf den Zehenspitzen gieng ich in die Küche und lugte auf den Gang. Es schien ganz öde zu sein. Leise schritt ich zur Wasserleitung und füllte die Kanne. Als ich den Deckel zuklappte, hörte ich, wie jemand brummte:

„Guten Morgen, Herr Bermann“.

„Guten Morgen“.

Es war schon ganz licht.

Ich drehte mich um. Eine Gestalt mit einem Korbe stieg die Treppe ins zweite Stockwerk empor. Das war völlig ungefährlich.

Ich schloß mich abermals sorgsam ein, schob den Riegel wieder vor und zog mein Hemd aus. Das wollte ich hier lassen. Ich hatte vorsichtshalber ein

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Arnold Hagenauer: Muspilli. Leipzig 1900, Seite 124. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Muspilli_hagenauer.djvu/122&oldid=- (Version vom 31.7.2018)