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„Ach, der Brief – an den glaub’ ich nicht mehr.“ Mama suchte ihm ins Gesicht zu sehen, überlegen, ohne Wimperzucken. „Gestehen Sie nur, daß Sie plötzlich den Muth verloren hatten!“ drängte sie.

„Nun ja den Muth verloren, das ist es ja,“ machte er kläglich.

Vor ihnen lag eine große Pfütze von dem gestrigen Landregen; Mama ergriff mit energischer Gebärde Richards Arm und hing sich daran. „Lieber Doktor, das geht nun wirklich über meine Kräfte, ich habe keine Nagelschuhe an, gibt es denn keinen trockenen Fleck in diesem ganzen öden Moordorf?“

Hausdörffer bedeutet ihr, daß es droben am Schloß besser werde. „Auf meine Bude kann ich Sie leider nicht einladen, und in den Wirthschaftsgärten wären wir nicht ungestört.“

Resignirt setzte Mama einen Fuß um den andern in den grundlosen, von Geleisen durchschnittenen Weg. Der Mann an ihrer Seite, so nah, sie brauchte ihn nur festzuhalten, um ihn ihrem Kinde wieder zuzuführen! Sie war nicht gewillt, allein nach München zurückzukehren; er machte auch ein so verschüchtertes Gesicht, als wisse er genau, was sie vorhabe.

„Ich bin gekommen, um mich persönlich mit Ihnen auszusprechen, lieber Doktor,“ begann sie in leichtem Ton, „Briefe sind mir überhaupt odios, und von Mund

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Ilse Frapan: Flügel auf!. Paetel, Berlin 1895, Seite 163. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Fl%C3%BCgel_auf_Frapan_Ilse.djvu/171&oldid=- (Version vom 19.8.2019)