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Tränen darüber vergießen könnte. Sie wissen doch: sogar die Notabeln weinten, als Calonne, der arme Prügelknabe, gegangen war und der König ihnen die Vorlage aller Rechnungen versprach; sie haben ihre Tränendrüsen offenbar für Schmerzen und Freuden ordentlich eingeteilt.

Die Königin erstarrte förmlich, als sie von Ihrem Schicksal erfuhr; sie kam gerade vom Krankenbett des Dauphin, wo sie ihren Vorrat an Tränen gelassen haben mochte. Heute sagte sie mir, ich möge Ihnen mitteilen, daß sie noch so glücklich ist, Ihnen beistehen zu können.

„Daß die kleine Marquise ihre Perlen verkaufen mußte, erregt mich nicht,“ sagte sie, „vielleicht hing auch an diesem wundervollen Geschmeide ein böser Fluch! Aber daß sie verurteilt wurde, in der dunklen Burg zu wohnen – ein sonnengewöhnter Paradiesvogel im Käfig! – das macht mich schaudern.“ Sie bietet Ihnen an, in ihren Hofstaat einzutreten, und würde Ihnen im geheimen aus ihrer Schatulle die Mittel dafür bewilligen.

Könnten wir nicht doch noch inmitten des schwarzen Weltmeeres eine Insel der Seligen mit den Flüchtigen vom anderen Ufer bevölkern?!

Eine Ahnung von ihrer Möglichkeit hatten wir kürzlich.

Die Guimard tanzte auf der kleinen Bühne des Schlosses, mit ihr die kaum zwölfjährige Laure,

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Lily Braun: Die Liebesbriefe der Marquise. München 1912, Seite 424. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Die_Liebesbriefe_der_Marquise_(Braun).djvu/430&oldid=- (Version vom 31.7.2018)